Dienstag, 27. September 2016

Impressionen aus Padua. Teil 3: Basilica di Santa Giustina

Neben dem Dom und der Basilika des Heiligen Antonius gehört die Basilika Santa Giustina ebenfalls zu den größeren Kirchenbauten Paduas.


Die Basilika liegt gleich am Prato della Valle, dessen signifikante künstliche Insel einen touristischen Knotenpunkt für die Orientierung in Padua darstellt, da sowohl die künstliche Insel auf der Karte sofort zu finden ist, als auch die wichtigsten Ziele in der Nähe liegen, wie die Basilika des Antonius oder der Botanische Garten.




Doktor Who-Fans würden sie vielleicht als "TARDIS-Kirche" bezeichnen, weil...


... sie scheinbar innen größer ist als außen.


Glaubt mir, vor Ort sieht die Kuppel noch viel größer und höher aus - aber leider hat das Kameraobjektiv den Gesamteindruck nicht drauf bekommen. Aber es dürfte ja bekannt sein, mit welchen optischen Tricks und Effekten die Architekten der Renaissance gerne spielten, um Dinge viel größer erscheinen zu lassen, als sie es eigentlich sind.





Die Kirche wurde zum Gedenken an die Heilige Justina errichtet. 304 wurde sie unter der Herrschaft Diokletians mit anderen Christen hingerichtet. Ihre Leiber wurden daraufhin in einen Brunnen geworfen, aus denen sie später geborgen wurden und über dem man auch diese Kirche errichtet hat. Der Brunnen ist heute noch über einen Seitengang bei der Basilika erreichbar, der auch zu einer unterirdischen Kapelle führt. Links, wo die Frau steht, befindet sich übrigens der Souvenir-Shop, in dem ich die beiden Berührungsreliquien und das Pius-Bildchen bekam :3


Schon eher bekannt dürfte ein weiterer Heiliger sein, der in der Basilika bestattet liegt: Der Evangelist Lukas. 1
998 wurde der Sarkophag zur Untersuchung geöffnet, bei der man feststellte, dass der Schädel fehlte, dessen eine Hälfte sich nachweislich in Prag befindet, die andere entweder in Rom oder auf Athos.


Die Sakramentskapelle. Man werfe hier...


... einen Blick nach oben.




Das einzige, was störte, war die neue Geländerplatzierung. 
Vorher war das Teil übrigens noch nicht da, um Blicke zu versperren. 

Samstag, 24. September 2016

5 Jahre nach Freiburg...



5 Jahre ist es schon her, dass der inzwischen emeritierte Papst Benedikt XVI. Freiburg im Breisgau - übrigens meine Heimatdiözese - besucht hat. Auch die Auslauffläche neben dem Freiburger Flughafen, auf dem damals die Messe und die Jugendvigil stattgefunden haben, wird bald nicht mehr sein - weil dort ein neues Fußballstadion für den SC Freiburg gebaut werden wird.

Neben den berühmten Papstbänken und einem Relief in Freiburger Münster - so die Badischen Neuesten Nachrichten von heute morgen - bleibe immerhin die anhaltende Bekanntheitsgrad für die Stadt, der medial durch dieses Großereignis enorm gestiegen sei (lassen wir an dieser Stelle mal aus, dass der Europapark in "Rust bei Freiburg" und die weltweit bekannte Schwarzwald-Romantik schon eher dafür sorgen...). Auffallenderweise hat sich an der damaligen Kritik am Papst beinahe gar nichts geändert.

[...] Kritik kommt von der Reforminitiative "Wir sind Kirche". Wie schon der Weltjugendtag 2005 in Köln und die Reise nach Bayern habe der Papstbesuch 2011 keine dauerhafte Wiederbelebung des Glaubens bewirkt. so Christian Weisner, Bundessprecher der Initiative. "was damals als Dialog-Reise angekündigt war, war dann doch eher eine Vortragsreise über die Herzen und Köpfe der Menschen hinweg." Der Papstbesuch habe spektakuläre Bilder gebracht. Eine Stärkung der Ökumene oder andere Reformen seien aber ausgeblieben. Entsprechende Wünsche habe der Papst in Deutschland völlig ignoriert.

"Beinahe" in dem Sinne, dass 5 Jahre vergangen sind und man scheinbar weitere Beweise für das seit über 40 Jahren gleichbleibende Dauermantra hat, die Kirche müsse umgehend reformiert werden. Natürlich im Sinne der Mitglieder von "Wir sind Kirche" ("... und ihr Nihiiiiiicht!", wie schon Herr Alipius ironisch anmerkte), deren Wünsche man wie oben erwähnt "völlig ignorierte".

Ökumene? Man könnte ja mehr auf die Protestanten zugehen (was das auch immer heißen soll), doch das würde Rom sicher nicht gefallen - aber das soll doch der Papst übernehmen, den wir ja eh immer mit überzogenen Vorwürfen überschütten, wenn er nicht brav pariert - auch wenn er weder unsere Wünsche kennt , noch nicht einmal weiß, dass er parieren soll. Orthodoxe? Die sitzen doch in Russland, dafür interessiert sich doch eh niemand.
Und die sind übrigens noch konservativer, also einfach ignorieren...

Zölibat? Abschaffen ist das Allheilmittel, das sogar den Klimawandel stoppen kann. Man könnte aber auch Jugendlichen in ihrer Berufung unterstützen, ein Leben ganz für Gott zu leben. Aber das stoppt nicht den Klimawandel. Und außerdem ist das uns zu kompliziert und unzeitgemäß (worüber wiederum andere, die rein gar nichts mit der Kirche am Hut haben, abstimmen).

Glauben? Glauben ist relativ. Wir glauben an einen Sandalenprediger aus dem Vorderen Orient, der uns einen Gott verkündigt hat, der uns stärkt und lieb hat (und der geschlechtergerecht "Vater und Mutter aller Menschen" ist). Den Rest kann man sich zusammenpflücken - außer natürlich, es passt dem "KirchenVOLK" nicht.

Daher dürfte es nicht verwundern, dass das neue Interview-Buch "Letzte Gepräche" mit Peter Seewald auf der Homepage von "Wir sind Kirche" (bitte Sicherheitsbrillen aufsetzten Augenkrebs-Gefahr!) völlig zerrissen wird.

Wobei immer übersehen wird, was gerade der von seinen eigenen Landsleuten geschmähte Papst geleistet hat.
In erster Linie ist der aufgeklärte Umgang mit dem Glauben zu nennen, der in ständiger Relation zur Vernunft stehen muss, da er Teil der einen Realität ist. Nach Paulus leben und bewegen wir uns in Gott, doch gibt es auch andere Dinge, die er zu unserem Nutzen mit hineingestellt hat, die Beziehung zur Welt und den Mitmenschen, womit Moral und sogar die alltägliche Philosophie miteinbezogen werden in dieses Leben, dass die Vorstufe zum ewigen Leben mit Gott sein wird und an dem sich dies alles entscheidet. In Predigt, Meditation und Gesprächen hat sich Benedikt immer wieder auf diese Betrachtung bezogen und damit auch Andersgläubige in seinen Bann gezogen. Von einer regelrechten Renaissance einer weltoffenen Theologie kann man an dieser Stelle sogar sprechen, auch kam es regelmäßig zu Konversionen. Dem eher kleinbürgelich-"gemeinschaftlichen" Kreis um "Wir sind Kirche" & Co. dürfte das wohl viel zu schnell entgangen sein.

Was ebenfalls zu einer regelrechten kollektiven Schnappatmung beim Thema "Entweltlichung" führte. Wenn man alles auf eine immanente Gemeinschaft und deren Wünsche reduziert, dürfte das beim Thema Kirche leicht verständlich sein. Bemerkungen wie dass dadurch die Fürsorge und Pflege von Armen und Menschen in finanzieller Notlage vernachlässigt werde oder gar ein Abgleiten in einen von der Welt und der Rationalität losgelösten Fundamentalismus drohe, so etwas kam gerade von Personen, die zuvor immer wieder die finanziellen Verstrickungen der Kirche - gerade in Deutschland - kritisierten und dies noch weiterhin tun. Wahrscheinlich weil der Gedanke, man sei mit dem "Panzerkardinal" schon immer einer Meinung gewesen, ein zu großer Kulturschock gewesen wäre - und man dadurch ein unersetzbares Kritikobjekt für immer verloren hätte.

Was eigentlich sehr verwunderlich ist. Ein Großteil derer, die aus der Kirche austreten, verweisen auf die Kirchensteuer und dass sie das Geld auch anders und besser einsetzen könnten. Bei der Kirchensteuer ebenfalls signifikant ist die automatische Exkommunikation bei der Weigerung, sie nicht zu zahlen. Ein völlig absurder und gegen die gemeinschaftliche Nächstenliebe innerhalb der Kirche, die Benedikt schon seit Jahren kritisiert und auch in den "Letzten Gesprächen" als regelrechte "Gewerkschaftsmentalität" bezeichnet. Dass sie trotz steigender Kirchenaustritte auf Rekordniveau befinden macht diese Sache sogar noch perverser. Irgendwelches Lob oder Unterstützung von der kritischen Seite? Nein.
Die meisten, die mit der Kirche eigentlich nichts am Hut haben und denen ich das erkläre fallen immer noch völlig überrascht aus allen Wolken (womit auch eine rationale Diskussion über Kirche und Glaube anfängt, was jedoch eine ganz andere Geschichte ist...).

Diese Apathie, wenngleich auch ohne Aggressivität, ist leider nicht nur bei Protestgruppen wie "Wir sind Kirche" zu finden. Schon Paolo Rodari hat in seinem Buch "Der Papst im Gegenwind" dem kirchlichen Apparat, mit dem Joseph Ratzinger seit seiner Papstwahl zu tun hatte, regelmäßiges systematisches Versagen vorgeworfen. Sei es dass es zu Zwischenfällen wie der "Williamson-Affäre" kam, die auf reiner Schlamperei beruht oder zu absichtlichen Handlungen bzw. Unterlassungen, die man als regelrechtes "Spiel im Schatten" bezeichnen kann. Beim Missbrauchsskandal bestand diese darin, die generelle Schuld dem Papst als kirchliche Autorität zuzuschieben, wenn die Aufsichts- und Handlungspflicht eigentlich bei jemand anderem gelegen hätte. Dass Benedikt die "Null Toleranz-Regelung" weiterführte, die er 2001 schon als Kardinal unter dem Eindruck der damaligen Missbrauchsskandale einführte und hart durchsetzte - na ja, interessiert irgendwie die wenigsten. Auch die Marxsche Kritik an der "Hofhaltung Benedikts" dürfte nicht mehr wundern - bürgerlicher menschlicher Kardinal gegen elitär verschlossenen Vatikan. Man erinnere sich an die rührseligen Romane nach dem Muster "Tugendhafter aufgeklärter Bürger gegen dekadenten unterdrückerischen Adeligen" aus der Aufklärungszeit (hust hust - Emilia Galotti) - mit dem Hintergedanken, dass die Bürger letztlich auch nicht viel besser waren und letztendlich dadurch nur unterscheidbar sind, dass sie sich als erste aufregten, um sich von ihnen öffentlich zu distanzieren und als "die Guten" durchzugehen.

Beim Freiburgbesuch des Papstes war ähnliches zu beobachten. Neben dem schon bekannten Ignorieren der Reformforderungen Benedikts nach Entweltlichung wäre da auch das Zulassen von öffentlich-medialen innerkirchlichen Protesten scheinbar ohne jegliche Kontrolle bzw. Diskussion zu nennen, die eigentlich zu der Pflichten der diözesanen Jugendpastoral gehören. Der BDKJ hat vor einem weltweiten Publikum den Papstbesuch (und damit auch die darauf folgende Liturgie) ausgenutzt, um demonstrativen Druck auszuüben. Aus der zuständigen Abteilung des Erzbistums kam keinerlei Distanzierung - sogar das Gegenteil war der Fall. Man lese dazu die beiden obig verlinkten Artikel von P. Engelbert Recktenwald FSSP, der die damalige Situation vor Ort miterlebt hat und zurecht auf einen Everything goes-Zustand hinweist, der in den deutschen Diözesen inzwischen Gang und Gäbe ist und sich als Normalzustand immer mehr in das Leben der Kirche einzufressen droht. Dass sich dabei auch totalitäre Ansichten einschleichen können, macht auch die unhinterfragte Unterstützung der Amadeu-Antonio-Stiftung durch den BDKJ deutlich (danke ebenfalls an P. Recktenwald für das Teilen des Artikels auf Facebook).

Man könnte angesichts dieser Entwicklungen in Pessimismus verfallen, wenn das Schicksal der Kirche alleine von diversen Verbänden und ihren Einflüssen abhängen würde. Einerseits ja, wenn man bedenkt, dass diese immer mehr erfolgreich propagandistische Unterstützung von den Medien erhalten, für die solche Berichte ein regelrechtes Fressen sind und sich ebenfalls als Reformer ansehen dürfen.
Andererseits nein. Das Schicksal der Kirche hängt vom Herrn ab, und genau das ist es, worauf Benedikt in seiner Rede hinwies. Die Welt hat zwar Einflüsse auf die Kirche, da sie sich in der Welt befindet, doch zugleich kann sie sich von der Welt und ihrer inneren Logik von Einfluss und Dominanz des Diskurses befreien - alleine dadurch, weil sie Eigentum des Herrn ist.

Wenn man etwa Christus nur noch als "Jesus, der Menschenfreund aus Galiläa", aber nicht mehr als zweite Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ansieht - und damit als Herrn und Schöpfer der sichtbaren wie der unsichtbaren Welt - wird auch schnell die Angst der Welt deutlich. Man sieht einen großen Menschen und ein großes Werk - man sieht aber auch zugleich andere große Menschen und die Reiche, die sie gegründet haben und nun zerbrochen im Staub liegen. Wer in der Kirche nur ein weltliches Ding sieht, das um jeden Preis - sei es Einfluss oder jegliche gesellschaftliche Akzeptanz, um ein weiteres Überleben zu sichern - erhalten werden muss... Ja, für den dürfte die Forderungen des Papstes aus Bayern schwer verträglich bis völlig unverständlich sein. Wer aber an die Verheißung des Herrn glaubt, dass nicht einmal die Pforten der Hölle (und das ist definitiv schlimmer als die öffentliche Statistik über die Kirchenaustritte) sie überwinden werde, der findet darin nicht nur das Herz des Papstes, sondern das der ganzen Weltkirche, das was wir katholisch nennen und das bezeichnet, was der Herr in unsere Herzen eingegossen hat, bis es eines Tages für immer ruhen wird bei Ihm (Augustinus).


Verwischung von Realität und Satire



[...]Ihre Ratsfraktion [der Linkspartei] hat daher nun in einem Antrag gefordert, alle Arbeitsmittel aus allen Arbeitsbereichen der öffentlichen Verwaltung geschlechterneutral auszudrücken. Dies gelte „insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel („der“) bezeichnete Arbeitsgeräte/-mittel“, heißt es in einer Beschlußvorlage für die Sitzung des Gleichstellungsausschusses am 28. September. Beraten soll die Ratsversammlung über den Antrag dann Mitte Oktober. 

Künftig soll es dann nicht mehr „der Radiergummi“ oder „der Schreibtisch“ heißen, sondern: „der/die ScannerIn, der/die ComputerIn, der/die BleistiftanspitzerIn, der/die KopiererIn, der/die StaubsaugerIn“. Weitere Bezeichnungen sollten bestehenden Doppelformen „kreativ nachgebildet“ werden. So zum Beispiel: „der/die Papierkorb/-körbin, der/die Briefkopf/-köpfin, der/die AbfalleimerIn“.

Im Sinne einer „sozial gerechten und antidiskriminierenden Gesellschaft“ sei es nicht länger hinzunehmen, daß „Nomen, die ein Arbeitsgerät/-mittel bezeichnen, häufig nur mit maskulinen Artikeln gebraucht werden“. Dies verlängere auch „die patriarchalische Gewohnheit, daß menschliche, mechanische oder technologische Arbeitsleistung als überwiegend ‘männlich’ charakterisiert“ würden, warnt die Linksfraktion.
[...]


Herzlichen Glückwunsch, liebe LINKS-Partei! Ein wirklich wunderbarer Scherz, auf den selbst die Junge Freiheit reinfiel, die post scriptum bemerken musste: 

Die Linke im Flensburger Rat teilte auf ihrer Internetseite mit, sie selbst werde gegen den von ihr eingebrachten Antrag stimmen. Die Beschlußvorlage, die sich auch in der offiziellen Dokumentendatenbank des Rats der Stadt Flensburg findet, habe „bestenfalls für Lachanfälle in den 13 Etagen des Rathauses sorgen“ sollen.

Ernsthaft! Ich habe schon so einen Schreck gekriegt - dabei sollte ich es gerade besser wissen.
Auf den Versammlungen in der Hackerspace, bei der ich Mitglied bin, wurde nämlich eine Zeit lang der Antrag gestellt, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Wurde regelmäßig in das Protokoll aufgenommen, aber leider auch regelmäßig unter Beifallgeklatsche "auf das nächste Plenum" verschoben. Nur um dort wieder ins Protokoll aufgenommen und auf die nächste Sitzung verschoben zu werden. Der durchschnittliche Kenner der 90er-Jahre Cartoons dürfte hier leicht eine Anspielung auf "Pinky und der Brain" erkennen. 

Warum also bei der Linkspartei sofort einen Kurzschluss bekommen?
Vielleicht wegen bestimmter Umstände. Paranoide Schnapsideen, die scheinbar die Sowjet-Zeiten überlebt haben, dazu ein Schuss Artikel- und Pronomen-Fetischismus aus Übersee, den man immer öfter antrifft, vor allem im Internet (in dem es definitiv noch Schlimmeres gibt. Wenn Albträume erwünscht, bitte hier klicken ). 

Mein Fehler. Bei so viel Assoziationen kann man Satire leicht als Realität verwechseln. 
Hätte Kardinal Marx damals gesagt, dass das Internet verblöde - Jepp, ich würde ihm vollkommen zustimmen.


Montag, 19. September 2016

"Die Stadt, in der sogar Atheisten an Wunder glauben"

Diese Bemerkung, die etwas ironisch in einer Reportage über Süditalien gefallen ist, bezieht sich natürlich auf Neapel, wo heute der Stadtpatron St. Januarius gefeiert wird. Natürlich nicht ohne das "Blutwunder".



"[...] Ja, wie ist das Blut des heiligen Januarius als heilige Reliquie gerettet worden bis in unsere Zeit? 
Im Jahre 304 erlitt der fromme Bischof von Benevent den Märtyrertod. Auf einer Missionsreise wurde er mit seinem Diakon und Lektor von den Häschern Diokletians verhaftet. Der Statthalter trieb ein grausames Spiel mit seinen Gefangenen: Sie wurden vor einen Wagen gespannt und mussten wie Tiere unter dem Spott der Masse und unter Schlägen diesen bis nach Puteoli ziehen. Dort wurden wilde Tiere auf die Helden gehetzt. Sie taten ihnen nichts. Daraufhin wurden sie mit dem Schwert enthauptet. Ähnlich wie die Mutter des heiligen Pankratius machte es da eine eine tapfere Frau: Unmittelbar nach dem Streich des Henkers eilte sie hinzu und fing in einer Glasampulle etwas von dem Märtyrerblut auf. Dieses Glasgefäß wird bis heute in einem monstranzähnlichen Reliquiar im Dom zu Neapel aufbewahrt. An den genannten Tagen [1. Mai, 19. September, und 16. Dezember] wallt es wunderbar auf, als wäre es eben erst vergossen.

Wie erklärt sich das? Die Tasache des "Januariuswunders" wird von Tausenden immer wieder beobachtet, und sie ist von bedeutenden Ärzten beglaubigt. Der Spott der Masse hat sich in den Jubel der Masse beim Erleben des Januariuswunders verwandelt. Der englische Gelehrte Materton schreibt darüber: "All meine früheren Erlebnisse traten vor diesem Erlebnis in den Hintergrund, und ich spreche meine vollste Überzeugung aus, dass das Flüssigwerden des Blutes des heiligen Januarius durch ein Wunder bewirkt wurde."

Da gilt auch: Wer an Gott glaubt und die so oft beobachtete Tatsache kennt, braucht keine Erklärung. Freilich, wer nicht an Gott glaubt, für den gibt es keine Erklärung. Auf die Frage: Wie ist das möglich? wird er antworten: "Wir wissen es nicht und werden es nicht wissen." [Oder "Wir werden es eines Tages ganz sicher wissen", um am Rande ein noch weniger aussagekräftiges Dawkins-Zitat zu nennen] Wir aber glauben an Gott. Also sind Wunder möglich. Das Blutwunder von Neapel ist wirklich, weil es immer wieder beobachtet, geschaut werden kann.

Nun versteht ihr, warum ich fast lauter Lieder für den Gottesdienst gewählt habe, die von Christi und der Märtyrer Blut singen. Christi und seine Getreuesten haben aus Liebe ihr Blut vergossen. Er, um uns in Liebe zu erlösen. Sie, um ihm alles zu schenken, selbst das Blut. Und wie das Blut Christi auf den Altären bei der heiligen Wandlung uns immer wieder daran erinnert, dass die Liebe aus dem Herzen Jesu immer wieder strömt, so mag das Blutwunder von Neapel ein schönes Sinnbild dafür sein, dass das Herz des Heiligen niemals ganz stirbt (Hünermann).  [...]
[...] Im Vergleich zu dem, was die Märtyrermesse uns von den Opfern der Christenverfolgung in Lesung und Evangelium verkündet, wird alles, was wir tun können, klein bleiben. Aber dennoch ist es ewig wertvoll, was wir in Verbindung mit dem kostbaren Blute tun. Es hilft uns, die oft unbeachteten "Alltagswunder" der Liebe vollbringen.
Prof. Karl Dörner: "Das Beste für Kind und Jugend - Aus Liturgie und Heiligenleben". Echter-Verlag Würzburg, 1950.



Freitag, 16. September 2016

R.I.P. P. Gabriele Amorth SSP



Am heutigen Freitag verstarb mit 91 Jahren der weltweit bekannte Exorzist P. Gabriele Amorth.

Pater Amorth hatte zu Lebzeiten ein reiches Betätigungsfeld. Nach dem 2. Weltkrieg, an dem er als mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichneter Hauptmann teilnahm, wirkte er aktiv am Aufbau der christlich-demokratischen Partei Democrazia Cristiana mit. Er wurde Mitglied der Gesellschaft vom hl. Apostel Paulus (SSP) nachdem er 1947 zum Doktor der Rechtswissenschaft promovierte und wurde dort 1957 zum Priester geweiht. Danach engagierte er sich als Journalist und Herausgeber der zur Gesellschaft gehörenden Monatszeitschrift Madre di Dio.

1986 wurde er - anfangs etwas widerwillig gegenüber diesem sonderbaren Betätigungsfeld - zum Exorzisten der Diözese Rom ernannt. 1990 gründete er mit anderen Priestern die Internationale Vereinigung der Exorzisten, deren Vorsitzender er bis 2000 war. In vielen Publikationen berichtete er von seinen Erlebnissen mit Besessenen und deren Befreiung durch die Kraft Gottes und der Gnadengaben, die er Seiner Kirche verliehen hat und wurde nicht müde, sowohl auf die meist unerwarteten Gefahren zu warnen, die von einem verharmlostem Okkultismus ausgehen, als auch das Episkopat auf die kirchliche Tätigkeit des Exorzismus hinzuweisen, die ihr vom Herrn selbst übertragen, aber immer mehr vernachlässigt, wenn nicht sogar mehr und mehr von den Bischöfen selbst verachtet wurde.

In vielen seiner Berichte und Interviews dürfte man bemerkt haben, dass es ihm teilweise auch schwer fiel über teilweise verstörende, aber auch wunderbare Begebenheiten zu berichten. Wie der Apostel Petrus vor dem Hohen Rat konnte er aber nicht schweigen über Dinge, die er hautnah erlebt und für die er als Priester und Verkünder des Glaubens die Pflicht hatte, Zeugnis zu geben. Seiner eigenen Aussage nach Dinge, an die er nicht einmal selbst geglaubt hätte, hätte er sie nicht mit eigenen Augen gesehen und persönlich mehrfach nachgeprüft.

Nicht nur die Priester und Neu-Exorzisten sind ihm für sein verstärktes Eintreten auf diesem vernachlässigten Themengebiet des kirchlichen Dienstes dankbar, sondern auch die tausenden von "Unglückseligen", die er persönlich befreien und sie zugleich der Barmherzigkeit Gottes näher bringen konnte, wenn nicht sogar ganze Bekehrungen damit auslöste - woran er persönlich die allergrößte Freude empfand.


Requiem aeternam dona ei, Domine.
Et lux perpetua luceat ei.
Requiescat in pace.

Amen



Donnerstag, 15. September 2016

Impressionen aus Padua. Teil 2: Die Basilica di Sant´Antonio

Eine Sache schon mal vorweg: Photographieren war in der Basilika leider verboten. Wie es also innen aussieht, kann man auf der offiziellen Webpräsenz sehen. Ansonsten habe ich so gesehen mehr Platz für die eher unbekannten Seiten der Basilika.



Zunächst einmal ist die hohe Dichte an Kirchen und Kapellen auffällig, die man als Tourist allerdings erst auf den zweiten Blick erkennt.



Die offizielle Barmherzigkeits-Pforte der Basilika.


Insgesamt gibt es vier Kreuzgänge auf dem Komplex mit Basilika und Kloster.


Dieser hier hat sogar Platz für einen ganzen Baum.


Diese Statue sollte man übrigens...


... mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten :3


Mittelalter trifft Antike? 
Den Eindruck macht jedenfalls dieses Acroterium. Und da man damals in der altehrwürdigen Universitäts- und Römerstadt Padua auf so manche Funde gestoßen ist, die den Steinmetzen als Vorbild gedient haben könnten, gehe ich mal ganz stark von dieser Theorie aus.


Epitaphe gab es übrigens auch genügend. Wie vom Komponisten und Musiktheoretiker Guiseppe Tartini...


... oder diesem Gelehrten, dessen Füße ihre letzte Ruhe auf einem Stapel Bücher fanden.


Modernes Epitaph für einen Arzt. Man achte auf die Detaillierte Darstellung der Arbeitsinstrumente.


Unsere Freunde, die Tauben dürfen natürlich auch nicht fehlen. Generell waren die recht ruhig und brav...


... wie auch in anderen Teilen der Stadt.



Sonntag, 11. September 2016

Impressionen aus Padua. Teil 1

Nach gut drei Wochen ist es so weit: Die Bilder sind sortiert.


Allgemein ist Padua eine architektonisch recht interessante Stadt...


... wo sieht man sonst eine Kapelle mit extra großem Turm an einem Kanal vor einem Fluss bei einem riesigen Kunstwerk - und das alles zwischen Hochhäusern.


Wirkt gequetscht, aber immer noch imposant.


Im 19. Jahrhundert hat man gerne in historischen Stilen gebaut. Es musste nur passen. 


Kriegerdenkmal mit Gasmaske. Sieht man auch nicht sehr oft - in Deutschland, versteht sich.


Typisch Venetien: Markuslöwe und Dogenmütze.


Innerhalb der Fakultät wird er wiederum eindrucksvoll,...


... man beachte die Epitaphe und Wappenschilder...


... die sich auf alle zwei Stockwerke erstrecken.


Auch der moderne Bereich hat so seine historischen Anklänge...


... wie so praktisch der Rest der Stadt.


Auf die Orientierung bezogen hat sie für Touristen sogar eindeutige Bezüge zur Minotaurus-Sage :3



Donnerstag, 8. September 2016

Doktor Carrel und Lourdes. Oder: Wo die Macht des Menschen zu Ende ist.

Der weltberühmte französische Nobelpreisträger für Medizin, Alexis Carrel, war zu Beginn des Jahrhunderts Prosektor an der medizinischen Fakultät in Lyon. Auf einer wissenschaftlichen Tagung wurde er vom leitenden Professor gefragt: "Was machten Sie eigentlich mit unserem hoffnungslosen Fall?" 


Carrel erwiderte: "Sie meinen das Mädchen mit dem fortgeschrittenen tuberkulösen Abszess an der rechten Hüfte." Gespanntes Schweigen im Saal. Der junge Wissenschaftler fuhr fort: "Ja, als ich mit aller Weisheit am Ende war, da habe ich sie nach Lourdes geschickt..."
"Habe ich recht gehört? Glaubten Sie etwa, dass Ihre Kranke auf die Art gesund würde?" Und in einem angereizten Ton setzte der Professor hinzu: "Da lacht doch die ganze medizinische Welt!"
Carrel ließ sich nicht beirren: "Meine Herren, es musste doch etwas getan werden. Ich habe ja selbst nicht mit einem Erfolg gerechnet. Aber ich kann Ihnen bestätigen: Heute morgen habe ich meine Kranke geheilt wiedergesehen. Ich konnte es selbst nicht fassen, aber es ist so. Sie können sich ja selbst überzeugen." 

Statt sich zu überzeugen, ließ sich der Professor von einer Trotzreaktion, die eines Wissenschaftler unwürdig ist, hinreißen: "Mein Herr, ich denke, es ist zwecklos, mit Ihnen zu reden. Mit solchen Ideen im Kopf, Monsieur Carrel, glaube ich Ihnen sagen zu müssen, haben Sie hier unter uns nichts mehr zu suchen. Die Fakultät wird Ihnen ihre Tore niemals öffnen."
Der junge Mediziner ließ sich nicht aus der Fassung bringen: "Wenn Sie sich, Herr Professor, durch diesen Fall und durch meine Anwesenheit bedroht fühlen, dann gehe ich meiner Wege."
Carrel begann sich wissenschaftlich mit Lourdes zu beschäftigen. Als ärztlicher Betreuer eines Pilgerzuges wurde er im Jahre 1903 Augenzeuge einer weiteren Heilung. Vor Carrels Augen wurde das Mädchen Marie Ferrand, die bereits Kavernen in den Lungen und Tbc-Wunden hatte und die nach dem Zeugnis berühmter Ärzte in akuter Lebensgefahr schwebte, innerhalb von Minuten gesund.
Carrel wurde Forscher am Rockefeller-Institut in New York. Sein Spezialgebiet waren Gewebezüchtungen im Zusammenhang mit der Krebsforschung. Seine Ergebnisse waren so erfolgreich, dass er im Jahre 1912 für seine Organtransplantationen und Gewebekulturen mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. 

Er studierte die Lebensäußerungen des Menschen, seine Prägung durch Beruf, Umwelt, Leidenschaften und Krankheit; seine Erkenntnisse bilden den Grundstein seines berühmten Buches "Der Mensch, das unbekannte Wesen" [Man beachte dazu bitte die Anmerkung am Ende des Postings]. Darin schildert er seine Beobachtung an Kranken, die in Lourdes einzig durch die Macht des Gebetes geheilt wurden: "Ich glaube an wunderbare Heilungen. Nie werde ich das erschütternde Ereignis vergessen, als ich sah, wie ein krebsartiges Geschwür an der Hand eines Arbeiters vor meinen Augen zu einer kleinen Narbe zusammenschrumpfte. Verstehen kann ich das nicht, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe." Im gleichen Werk heißt es über das Gebet: "Das Gebet ist die mächtigste Form der Energie, die wir ausstrahlen." Und in seinem Buch "Betrachtungen zur Lebensführung" schreibt Carrel: 

"Das Bedürfnis nach Gott äußert sich im Gebet. Das Gebet ist ein Notschrei, ein Verlangen nach Hilfe, eine Hymne der Liebe. E besteht nicht in einem traurigen Hersagen von Worten, deren Sinn uns unverständlich ist. Es hat fast immer eine positive Wirkung . Alles geht vor sich, als ob Gott uns erhörte und uns unmittelbar eine Antwort gäbe. Unerwartete Ereignisse treffen ein; das geistige Gleichgewicht wird hergestellt. Das Gefühl unserer Vereinsamung, unserer Ohnmacht und der Nutzlosigkeit unserer Anstrengungen verschwindet. Die Welt verliert ihre Ungerechtigkeit und Grausamkeit und wird freundlich gesinnt. Eine seltsame Macht entwickelt sich im Innern von uns selbst. Das Gebet verleiht die Kraft, Sorgen und Kümmernisse zu ertragen, zu hoffen, wenn es keine logische Ursache zur Hoffnung mehr gibt, und inmitten von Katastrophen aufrecht zu bleiben."
Der große Mediziner starb 1944 als Opfer von Hitlers Gestapo. [...]

[...] Jesus hatte seinen Jüngern nicht nur den Auftrag gegeben, das Evangelium zu verkünden, sondern auch Kranke zu heilen. "Heilt die Kranken und sagt: Genaht hat sich euch das Reich Gottes" (Lukas 10.9).


Wenn es also heute keine Priester und Bischöfe mehr gäbe, die Kranke heilen würden, dann würde die Kirche ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Jesus hatte die Heilung von Kranken geradezu als Kriterium für den Anbruch des Gottesreiches bezeichnet, lesen wir doch bei Matthäus 11,2: Da Johannes im Gefängnis vom Wirken Christi hörte, sandte er Botschaft durch seine Jünger und ließ ihm sagen: "Bist du es, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?" Jesus antwortete ihnen: "Gehet hin und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, den Armen wird das Evangelium verkündet..."

Wenn das, worüber in diesem Buch berichtet wird, im Kreml zu Moskau passiert wäre, ich glaube, die Kommunisten würden den Fall unter Einsatz ihres gesamten Propagandaapparates parteipolitisch auswerten als Beweis für die Richtigkeit ihrer Ideologie. Zum Glück ist das Christentum keine Ideologie und ist nicht auf Sensationen angewiesen. Unser Gott ist ein Gott der Ordnung, ein Gott, der im Stillen wirkt. Die großen Wunder geschehen im Stillen: eine Raupe, die sich einspinnt und in einen Schmetterling verwandelt, eine Rehgeiß, die im taufrischen Gras ihre Jungen wirft, eine Lindenblüte, die sich vom Wind forttragen lässt...

Der gewaltige Schöpfer des Weltalls von fünfzehn Milliarden Lichtjahren Durchmesser, von fünfzehn Milliarden Lichtjahren Alter und von fünfzehn Trillionen Sonnen ist nicht auf Schlagzeilen angewiesen. [...]

Ida Lüthold-Minder: "Ich wurde in Lourdes geheilt - Medizinisch und kirchlich anerkanntes Wunder". Christiana-Verlag, Auflagedatum unbekannt, da Seite mit Impressum leider fehlt. Zitiert aus dem Vorwort von Arnold Guillet.


Mit genanntem Lourdes-Erlebnis beschäftigt sich auch ein Lesebuch, weiterhin ist aber nachträglich auf die starke eugenische Ausprägung Carrels hinzuweisen, die angesichts dessen nicht bagatellisieren werden darf und die er in genanntem Buch "Der Mensch, das unbekannte Wesen" leider ganz offen vertritt.

Man merke: Nur weil jemand ein Wunder erlebt hat, muss er noch lange kein Heiliger sein. 
Davon gibt es leider genug Beispiele, die einen etwas üblen Nachgeschmack hinterlassen.



Dienstag, 6. September 2016

Moderner Anachronismus

Man scrollt so unschuldig durch Tumblr, denkt nichts Böses - und dann kommt dieser Moment bei diesem einen Bild, wo man kurz innehält und sich fragt:

Die Jugend von heute steht eigentlich auf solche gotisch angehauchte Architektur.
Warum stellt man also bei modernen Kirchenbauten trotzdem andauern Klötze in die Gegend, die wie halbe Bahnhofsvorhallen aussehen?

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die aber leider ziemlich selten sind, sich aber unter anderem gerade in Amerika großer Beliebtheit erfreuen.



Und von Bruchtal aus "Der Herr der Ringe" habe ich noch nicht mal angefangen.

Den "Tempel der Zeit" lasse ich auch mal außen vor, weil bei solchen Bildern die Legend of Zelda-Fans (die übrigens ein halbes Jahr länger auf das neue Spiel warten dürfen) leicht Schnappatmung bekommen.


Samstag, 3. September 2016

Vorsicht! Trigger-Warnung!

Bereit?

Man nehme eine nicht von katholischer Seite lizensierte Bibel - am besten die Lutherische Version.
Man vergleiche sie mit einer offiziellen katholischen Bibel.
Man stelle fest, dass im Alten Testament im Gegensatz zur katholischen Version einige Bücher fehlen.
Man stelle fest, dass es auch so was wie Apogryphen gibt.

Fertig, Leute? Setzt also eure Aluhüte auf und legt unter euer Sitzkissen die in Naturplastik eingeschweißten von den Nicca-Druidinnen gesegneten magischen Einhorn-Bergkristalle für 99,99 Euro zuzüglich 6,66 Euro Versandkosten und macht euch bereit, auszuticken.


Wie? Sie kann nicht dran schuld sein, weil sie keinen Einfluss auf nicht-katholische Versionen hatte?
Macht nichts. Sie ist trotzdem dran schuld. 

[SATIRE AUS]



Freitag, 2. September 2016

Logisches Wolkenkuckucksheim. Oder: Einen kurzen Blick in die Hölle wagen?



"Wir haben so viel mehr Probleme. Es ist wirklich frustrierend, so viel Aufwand an solchen Argumente zu verschwenden, die auf schlechter Wissenschaft und fehlendem Verständnis basieren."

Sagte Bill Nye, der "Science Guy", der bald wieder eine neue Sendung erhält. Schaut man sich den Lebenslauf Nyes an (Maschinenbauingenieur, dann vor allem Moderator eines Wissensmagazins für Kinder, jedoch ohne weitere wissenschaftliche Ausbildung), aber auch vor allem seine eigene Definition, was ein "Wissenschaftler" sei, wird schnell klar: Wissenschaft heißt Standpunkte vertreten.

Und mit seiner Verteidigung von Planned Parenthood fährt er eindeutig das, was er für "Wissenschaft" hält, (wieder mal) ordentlich gegen die Wand.


Schauen wir uns sein Hauptargument an:
- Abtreibung sollte nicht verboten werden, da sie eigentlich vollkommen natürlich sei.
Wenn es möglich ist, dass eine befruchtete Eizelle sich nicht zu einem Menschen entwickle, weil sie schon vor der Einnistung abstirbt oder es aus sonstigen Gründen OHNE Eingriff des Menschen nicht zur Entwicklung eines Menschen kommt, warum sollte man dann eine solche abgebrochene Entwicklung an sich bestrafen?

Der geneigte Leser lasse sich noch einmal folgenden Gedankengang mit einem anderen Inhalt durch den Kopf gehen.

Es geht um Menschen, die andere vor fahrende Autos schubsen.
Natürlich kann man sich über sie ebenfalls wie im Planned Parenthood-Skandal (der eher im Plural: "-Skandalen") emotional aufregen und deren Bestrafung fordern. Aber seien wir doch mal ehrlich: Jeden Tag kommen hunderte Menschen auch OHNE kleine Schubshilfe ums Leben, weil sie von Fahrzeuge erfasst werden. Sei es, dass sie nicht aufmerksam im Straßenverkehr unterwegs sind oder eben einfach nur Pech haben. In diesem Fall werden weder der Inhaber der betroffenen Fahrzeugs noch der nicht anwesende Schubser bestraft. Warum sollte man also bei ein wenig situativer Nachhilfe eine Ausnahme machen?

Schon ganz langsam auf der Zunge zergangen lassen? Gut, kommen wir zum nächsten Punkt.

Nach Nye solle man "Fakten" vor "die Interpretation eines Buches, das vor 5.000 Jahren geschrieben wurde" setzen. Im Fadenkreuz hat er natürlich primär die Christen. Dass eine solche Weigerung des Schwangerschaftsabbruches nicht alleine auf die Bibel beschränkt ist, sondern auch im Eid des Hippokrates (um 400 v. Chr.) als ethisch verpflichtend für jeden Arzt angesehen und der heute auch von Nicht-Religiösen nicht nur eingehalten, sondern wärmstens an ihre Nachfolger empfohlen wird, wird hierbei völlig ignoriert. Wie auch die Tatsache, dass es nicht primär die Aufgabe eines Wissenschaftlers ist, Wissen zu vermitteln (das ist die Aufgabe von Lehrern, in diesem Falle auch die Aufgabe von angemaßten Oberlehrern), sondern die Dinge an sich und ihre Zusammenhänge zu erforschen. Und eben solche Ärzte und Wissenschaftler im Kreis des Hippokrates und diejenigen, die sich als seine Nachfolger verstanden, beriefen sich nach ihrer Erfahrung darauf, dass werdendes Leben genauso schützenswert sei wie endendes Leben.

Worauf sie diese Argumentation stützen? Würde mal sagen auf Erfahrung.
Seien wir mal ehrlich. Dass sich der Arzt in einem 2.400 Jahre alten Eid weigern soll, einen Schwangerschaftsabbruch herbeizuführen, setzt doch schon an sich voraus, dass er die Mittel dazu hatte und es konnte. Und wenn er es konnte und auch durchführte - dann kam so einiges zu Vorschein, was irgendwie wie ein menschliches Lebewesen aussieht und im Anbetracht der damaligen Beobachtungen der Schwangerschaft schon alles für einen Menschen einigermaßen an sich trug. Wenn man mir das nicht glaubt, sollte man sich diverse Anatomische Sammlungen von Universitäten und Museen (hust hust - Senckenberg-Museum) oder am besten gleich die KÖRPERWELTEN-Ausstellung von Gunther von Hagens ansehen, wo sie sichtbar gut konserviert für Besucher zugänglich sind. Da Embryonen nicht auf Bäumen, sondern in Müttern wachsen, dürfte schon klar sein, wo dieses "Material" herkommt - das ist wirklich kein Geheimnis. Und auch manchem damaligem Arzt dürfte es damals eiskalt den Rücken hinunter gelaufen sein, wenn er sich die Details näher angesehen hat. Und mit der Zeit erkannte, dass er einen Menschen am Leben hinderte, bevor dieser überhaupt noch das Licht der Welt erblickte.

Damit kommen wir zu letzten und wirklich ungeheuer widerlichsten rhetorischen Trick des sogenannten "Science Guy´s". Er reduziert die Abtreibungen, die Planned Parenthood vorgenommen lediglich auf das, was die meisten Leute gern als das beschreiben, was "nicht einmal wie ein Mensch aussieht". Also das embryonale Stadium in den ersten paar Wochen.

Falsch gedacht.
Und zwar so was von.


Der Skandal dreht sich vor allem um die regelrechte Ausschlachtung und Weiterverkauf von abgetriebenen Embryonen - von denen weder die Mütter noch die staatlichen Stellen etwas erfuhren, die Planned Parenthood finanziell unterstützen. Nochmals werde ich die ganzen Meldungen nicht noch mal aufzählen. Man lese dazu chronologisch die Postings dieses Blogs hierhierhierhier uuuuund hierhierhierhierhier und zuletzt hier.

Doch nicht nur das öffentliche Vertuschen (auch mit Hilfe von staatlicher Seite) spielte hier eine Rolle. Man wollte auch den "Kunden" keine Bedenken kommen lassen. Organmaterial von abgetriebenen Kindern? Mein Gott, nennen Sie das nicht Kinder - das ist inzwischen schon so zerfleddert, das erkennt man schon nicht mehr.
Und wenn man die schon im ganzen Stück liefert, dann entfernt doch bitte das, was durchschnittliche Menschen als Händchen und Füßchen erkennen können. Kopf auch noch dran? Dann macht dem Ding doch die Augen zu.

Und hier wie auch an den "Fakten", die Nye im Namen der "Wissenschaft" und "Objektivität" präsentiert liegt das Problem an der ganzen Sache. Die ganze schön zusammengebastelte Welt droht Risse zu kriegen, wenn man die wirkliche Objektivität zulässt, also versucht man der ganzen Sache rhetorisch aus dem Weg zu gehen.
Ein französischer KZ-Überlebender hat davon berichtete, dass der damalige SS-Hauptmann befohlen habe, bei den erschossenen Gefangenen nicht von "den Toten", sondern von "Figuren" oder "Gestalten" zu sprechen, um auch bei den Opfern die Hemmungen vor einem toten - weil ermordeten -Insassen zu mindern und ihnen diese zu Sprache gewordene emotionslose "Objektivität" regelmäßig unter die Nase zu reiben, um ihnen zu zeigen, wie wertlos diese "Opfer" jetzt oder überhaupt schon immer gewesen seien.

Das Gleiche passiert hier. Man missachtet regelrecht den faktischen Sachverhalt, der sich beim Planned Parenthood-Skandal auftut - wahrscheinlich weil man Abtreibung als absolut unerlässlichen Teil des gesellschaftlichen Fortschrittes ansieht - und bezeichnet jeden, der anderer Meinung ist als "unwissenschaftlich" und "nicht diskursfähig".

So funktioniert die Wissenschaft Bill Nye´s, an die gefälligst jeder zu glauben hat.
Und die Logik derer, die es vollkommen unreflektiert nachplappern.