Montag, 8. Juni 2015

Kramp-Karrenbauer und Ströbele: Die eine verprügelt man, den anderen lässt man laufen.




[...] "Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen", so die Ministerpräsidentin.

Die Äußerungen von Kramp-Karrenbauer sorgten quer durch die Parteien für Empörung. Der CDU-Abgeordnete Stefan Kaufmann sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Diese Äußerung zeigt auch die Argumentationsnot mancher Gegner."

Grünen-Chefin Simone Peter sagte den Blättern, Kramp-Karrenbauers Äußerung "würdigt Schwule und Lesben in verletzender Weise herab und zeichnet ein entstelltes Gesellschaftsbild".
[...]


Während es in diesem Fall jetzt tatsächlich zu einer "Anzeige wegen Volksverhetzung" kam, wird weiterhin die Frage totgeschwiegen, welche Folgen eine weitere Öffnung der Ehe haben wird. Denn bisher versteht man unter einer "Öffnung des Eheverständnisses" nur eine Öffnung in Richtung homosexueller Partnerschaften, während die gleiche Beschreibung von "Gemeinschaft, von Menschen, die sich lieben" auch im weiteren Sinne verstanden werden kann. 
[An dieser Stelle wundert es mich wirklich, dass gegen die Simpsons-Episode "Drum prüfe, wer sich ewig bindet" ("There´s something about marrying")bisher noch keine Anzeige erstattet worden ist, denn diese endet gerade so, wie Kramp-Karrenbauer es befürchtet, nur noch viel überspitzter, aber mit der gleichen Anspielung. Siehe hier.]

Vielleicht könnte es auch einfach daran liegen, dass sie Mitglied bei der "bösen CDU" ist. Denn bei der Behandlung der "lieben Grünen" sieht die Sache schon ganz anders aus. Futterschleuder-Opfer Christian Ströbele forderte, wie jetzt bekannt wurde, 2012 die Entkriminalisierung des Inzests:


[...] Das ist ein einsames Relikt aus anderen Zeiten, in denen ja auch noch der Ehebruch strafbar war, das haben wir auch abgeschafft«, sagte er dem Nachrichtensender N24. Er passt »in diese Zeit der geläuterten Auffassung über Ehe und Familie nicht mehr hinein. Er muss so weg.«

Ströbele hatte sich anlässlich eines Urteils des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geäußert, das die deutsche Strafvorschrift bestätigte. Geklagt hatte ein junger Mann, der mit seiner leiblichen Schwester vier Kinder gezeugt hatte und deshalb mehrfach zu Haftstrafen verurteilt worden war. Das Bundesverfassungsgericht wies seine Verfassungsbeschwerde ab.
[...]


"Geläuterte Ehefassung" also und nicht etwa "geläutertes Sexualverständnis". Ein Tor, wer jetzt böses denkt. Auf jeden Fall gab es keinen öffentlichen Aufschrei dazu.
Auch bei den Skandal um den sexuellen Missbrauch von Kindern innerhalb von ehemaligen Aktionsgruppen der Grünen (z.B. der "Arbeitsgruppe Schwule und Päderasten" (SchwuP) und deren Vorgängerpartei, der Alternativen Liste hält sich das ganze in beschaulichen Grenzen. Was verwunderlich ist, da dazu sogar vor kurzem ein hervorragend recherchierter Bericht von Report Mainz ausgestrahlt wurde (zu dem Originalvideo geht es hier). Und wieder: Der Mann, der damals von solchen Umtrieben gewusst haben muss und nichts getan hat, spricht heute wieder mal über Sexualität und Ehe.

Mit Anzeigen diverser Wutbürger brauchen solche Politiker nicht zu rechnen. Dafür gibt es ja Anwälte, die zur Gegenanzeige wegen Rufmords vorgehen können. Ob das auch bei CDUlern was bringt, dürfte offen bleiben. Sollte es die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer dennoch schaffen, dürfte ihre politische Karriere für ihr restliches Leben trotzdem schwer geschädigt bleiben.


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