Donnerstag, 11. Juni 2015

Sed Contra 1: Glaube vs. Wissen/Wissenschaft?



"Glaube und Wissenschaft passen nicht zusammen. Der Glaube hat immer die Wissenschaft bekämpft. Der Glaube verschließt sich der Wissenschaft. "Es ist immer schwieriger (gewesen?), gegen Glauben als gegen Wissen zu kämpfen." "

[Sed Contra ad absurdum: Lassen wir mal die ironische Sache beiseite, dass dieses "original" Dawkins-Zitat wahrscheinlich aus "Mein Kampf" stammt... Trololo... ;-)]

Sed Contra: Wenden wir uns an dieser Stelle der Empirie zu und schauen wir mal ganz kurz auf die wissenschaftlichen Leistungen von Gläubigen an sich.
Anders als beispielsweise Dawkins an anderer Stelle behauptet, sind es eben nicht Atheisten, die die meisten Nobelpreise bekommen haben. Es waren zwischen 1901 und 2000 zu 65,4% Christen, die mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden sind. In empirischen Fächern waren es 72,5% beim Chemie-, 65,3% in Physik- und 62% beim Medizin-Nobelpreis. Rechnet man aus, wie viel für Dawkins weitere Argumentation noch übrig bleibt, wird es leider sehr eng.

Dazu kommen noch diverse Christen, die nicht mit einem offiziellen Nobelpreis ausgezeichnet worden sind. Entweder weil schon ein anderer ihn bekommen hat, weil ihre Arbeiten nicht wichtig genug waren oder weil sie ganz einfach vor 1901 lebten. Will man sich einen etwaigen Überblick verschaffen, wie viele es alleine beim katholischen Klerus gewesen sind, sollte man mal ganz kurz diese Liste auf Wikipedia überfliegen.
Davon zitiert Richard Dawkins selbst in seinen Werken positiv: Gregor Mendel ("Der Gotteswahn"), Beda Venerabilis ("Der entzauberte Regenbogen") und Thomas von Aquin ("Das egoistische Gen").


Praeterea: Aber das konnten sie doch nur, weil es nichts mit Glauben zu tun hatte! Gott kommt in ihren Forschungen nicht vor, also trennten sie zwischen Glauben und Wissen! Sie sind also in diesem Sinne keine "vollwertigen" Gläubigen gewesen!

Sed Contra: Natürlich nahmen sie eine Trennung vor. Aber nicht im Sinne "Glaube vs. Wissen", wie es gerne suggeriert wird. Würde man dies tun, dann müsste man auch das "Glaubenswissen", also die Kenntnis im Bereich des Glaubens, entfernen.

Es war eine Trennung zwischen transzendenten Gott und der sicht- und messbaren Welt. Im Heidentum bestand entweder der Versuch, die Natur zu vergöttlichen (Animismus, als weitere Entwicklung Polytheismus) oder die Götter zu naturalisieren (Pantheismus). Mit der sogenannten "monotheistischen Revolution", der Kritik an der Verehrung der (von Gott geschaffenen) Umwelt, wurde eine wichtige Trennlinie gezogen, bei der beide, Natur und Gott weiter nebeneinander bestehen konnten, genau so wie man zwischen Essen und Schlafen unterscheidet, ohne dass man beides vermischt oder auf eines der beiden verzichtet.

In diesem Sinne konnte Gregor Mendel weiter seine Messe feiern und dabei um Hilfe bei bei seinen Feldversuchen bitten, während er bei der Untersuchung seiner Erbsenblüten die Schönheit der Schöpfung des Herrn betrachten konnte, den er in der Messfeier darbrachte.

Eine Ausnahme stellt an der Stelle beispielsweise Teilhard de Chardin dar, der mit der Zeit immer weiter in einen diffusen Pantheismus abglitt, während wichtige Aspekte des katholischen Glaubens wie der Christozentrik immer weiter verließ.


Respondeo: Glaube und Wissen/Wissenschaft widersprechen sich nicht wirklich.

Sie können also beruhigt in Ihr Labor zurückgehen und... Was soll das heißen, Sie sind kein Wissenschaftler?  Was war denn mit ihrem Argument der Empirie... Wie, Sie haben nur Dawkins zitiert, weil er recht zu haben schien und so coole Auftritten hinlegt???
Dann machen sie eben das nächste Mal eine alternative Google-Suche... Nein, mit "alternativ" meine ich nicht "esoterisch"... Wissen Sie was, zünden sie halt einfach bei St. Albert ein Kerzchen an. Der Rest kommt dann hoffentlich.


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