Dienstag, 7. Juli 2015

Clarence Thomas, Abraham Lincoln und die Menschenwürde

Es rummste mal wieder zwischenmenschlich in den USA. Der Star Trek-Schauspieler George Takei nannte den konservativen Richter Clarence Thomas einen "Clown mit dem Gesicht eines Schwarzen", weil dieser behauptet hat, die Sklaven hätten auch ohne den 14. Zusatzartikel Würde gehabt.

Der Hintergrund: Richter Thomas hatte gegen die Legalisierung der Homo-Ehe gestimmt und nachträglich hinzugefügt, dass die Regierung nicht dazu in der Lage wäre, Menschenrechte und Würden an sich zu vergeben, sondern diese voraussetze. Was bei der "Homo-Ehe" ebenfalls der Fall sei, weil ihr schon im Voraus alle Bedingungen für eine Ehe abhanden gewesen seien. Daher habe der Staat nicht das Recht, willkürlich mit ständigen diffusen Verweisen auf "Liebe für Alle" das als Ehe durchgehen zu lassen, was keine Ehe sein kann. Besonders nicht im Hinblick auf oben erwähnten Artikel aus der Zeit der Sklaven- haltungWörtlich sagte Thomas:


[...] The corollary of that principle is that human dignity cannot be taken away by the government. Slaves did not lose their dignity (any more than they lost their humanity) because the government allowed them to be enslaved. Those held in internment camps did not lose their dignity because the government confined them. And those denied governmental benefits certainly do not lose their dignity because the government denies them those benefits. The government cannot bestow dignity, and it cannot take it away. [...]

[...] Die logische Schlussfolgerung dieser Prinzipien ist, dass die Würde des Menschen nicht von der Regierung genommen werden kann. Die Sklaven haben ihre Würde nie verloren (ebenso wenig wie sie ihre Menschlichkeit verloren) weil die Regierung erlaubte, sie in Sklaverei zu halten. Diese, die in den Internierungslagern festgehalten wurden, verloren nicht ihre Würde, weil die Regierung sie gefangen hielt. Und diejenigen, die von staatlicher Untersützung ausgeschlossen waren, haben nicht ihre Würde verloren, weil ihnen die Regierung sie von diesen Unterstützungen ausschloss. Die Regierung kann weder Würden verleihen, noch kann sie diese wegnehmen. [...]


Das Problem von Takei besteht weniger darin, dass er den einzigen Afroamerikaner im Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika rassistisch angefahren hat, sondern dass er ihm jegliche Kompetenz abspricht, weil er dessen legalistischem Verständnis widerspricht. Vor der Gleichheitsklausel Lincolns kann es keine Menschenwürde gegeben haben, weil sie nicht (offiziell) mit Würde behandelt worden sind. Dass sie in vielen Gebieten der USA (auch außerhalb der Südstaaten) auch nach der Verkündung des 14. Zusatzartikels nicht besser behandelt worden sind, scheint aber bei dieser Diskussion ebenfalls unwichtig zu sein.
Man könnte mit ihm Nachsehen haben: Derzeit herrscht nach der Legalisierung der "Homo-Ehe" ein solches Hoch in den LGBTIQ- und Demokraten-Lagern, die einerseits mit einer Niederlage für die Menschheit drohten, wenn dieses Gesetz nicht durchgehe, andererseits jetzt den Sieg der Wahrheit mit der Durchsetzung ihrer Weltanschauung feiern. Was Gesetz ist, gilt. Und was gilt, ist wahr - auch wenn man ein wenig nachhelfen musste, anders wäre die "Diskriminierung" und "Verweigerung der vollen Menschenrechte" für Homosexuelle (in welchen Sinne wird natürlich nicht erklärt) nicht zu beenden gewesen.

In diesem Kontext herrscht in vielen dieser Köpfe außerdem noch immer das altbekannte Propaganda-Bild von Abraham Lincoln, dem "Menschenrechtsmacher", ohne den es keine Gleichberechtigung der Sklaven in Amerika gegeben hätte (auch wenn andere Länder auf dem amerikanischen Kontinent das wenig später ganz ohne Krieg und Gewalt geschafft haben), wenn nicht die von ihm geschaffenen Gesetze gewesen wären. Und das wahrscheinlich auch im Hinterkopf von Mr. Takei gespukt hat, aber von dem Richter Thomas gewusst hat, dass es sich eher um einen Mythos handelt, der eine angebliche legalistische Allmacht des Staates und eine gleichzeitige Allmacht der politischen (meist sozialistisch und liberal angehauchter) Agitation legitimieren sollte. Was nicht in einem Gesetz behandelt wird, steht außerhalb der Wirklichkeit, im schlimmsten Falle gibt es das im engeren Sinne nicht. Die Meisterleistung der politischen Akteure besteht darin, "Wirklichkeit zu schaffen" in einer Welt, in der es ja eh keinen Gott gibt, der den Mensch mit unveräußerlicher und unabsprechbarer Würde ausgestattet hat, auf die der Staat keinen Zugriff hat.

Wovon gerade der eher agnostische President Abraham Lincoln aber ausging und dies immer beteuert hat, wenn er das Unrecht der Sklaverei angeprangert hat. Am besten hat dies der schon einmal erwähnte Erzbischof Fulton Sheen in einem Vortrag dargelegt:





[EDIT: Nach der Legalisierung der "Homo-Ehe" verlangen jetzt auch die Polygamisten klagen. Eine Sache, vor der Clarende Thomas ebenfalls gewarnt hat.]


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