Samstag, 18. Juli 2015

Pawlowscher Hund mal anders. Oder: Mehr "Hitler" geht nicht.

Mit was für einer Geste kann man am besten seine Mitbürger verwirren? Rechten Arm heben und abwarten, was passiert.

Meist sind es jedoch negative Reaktionen, die darauf folgen, da der vermeidliche "deutsche/römische Gruß" gerade von den Nazis gerne gebraucht wurde. Dass Queen Elisabeth II. ihn vor gut achtzig Jahren scheinbar auf Anweisung ihres Onkels (und NS-Sympathisanten) , Edward VIII. machte und zwar ohne die Gesamtbedeutung dahinter zu verstehen - die ergab sich nämlich für den Rest der Welt erst langsam in den Folgejahren -, bringt natürlich das nationale Schund- und Lästerblatt Englands wieder mal zum Schäumen:



Aus Buckingham Palace heißt es dazu:
"Die meisten Menschen werden diese Bilder im angemessenen Kontext und aus der Zeit heraus sehen. Das ist eine Familie, die spielt und für einen Moment auf eine Geste Bezug nimmt, die viele in zeitgenössischen Nachrichtensendungen gesehen haben."
[Kleine Anmerkung: Auch im Film "The King´s Speeche" wird das deutlich gezeigt.]


Ob sich Sun damit weiter auseinandersetzen wird, dürfte offen bleiben. Dass die Stärke der Redaktion nicht gerade in deutscher Geschichte liegt, dürfte eigentlich schon seit dem Vorwurf bekannt sein, der damalige neue Papst Benedikt XVI. sei ein Nazi gewesen, weil er ein Mitglied der Hitlerjugend war. Dass es eigentlich zwangsweise war, erwähnt fast niemand und so hält sich dieses Gerücht in den englischsprachigen Ländern bis heute. Bizarrerweise habe ich bisher auch viele Deutsche getroffen, die davon überzeugt waren.

Einen noch billigeren Trick verwendete ein Universitätsprofessor aus Italien: Er retuschierte einfach ein Bild von der Priesterweihe Joseph Ratzingers so, dass der Eindruck eines "Nazi-Priesters" entstand. Da das Bild von der gemeinsamen Priesterweihe der Ratzinger-Brüder Joseph und Georg aus dem Jahre 1951 vor allem durch die Boulevardpresse zu der Zeit allgemeine Bekanntheit genoss, erwies sich die Manipulation vorweg als Rohrkrepierer.

 


Andere Bilder (ohne weiteren Kontext) hielten sich besonders lange am Leben. So gilt eine Photographie, die Bischöfe beim Hitlergruß zeigt, als unumstößlicher Beweis für einen angeblich komplett katholisch-christlichen Nazismus - übrigens ein beliebtes Argument bei diversen Atheisten. Dass die Sache allgemein komplizierter, größtenteils sogar das komplette Gegenteil vom scheinbar Offensichtlichen ist, dürfte dem oberflächlichen Betrachter verborgen bleiben. Die gute alte Propaganda funktioniert eben sogar heute noch.

Man dürfte sich an dieser Stelle an den Pawlowschen Hund erinnert fühlen, nur dass das Glöckchen durch bestimmte Gesten und Bilder ersetzt wurde, die automatisch und meist unreflektiert Emotionen hochkommen lassen. Wie beispielsweise dieses Bild, das man locker als "von amerikanischen Nazis indoktrinierte Kinder" bezeichnen kann...


... obwohl es sich hier um den "Bellamy Salute" handelt, der bis auf das Jahr 1892 zurückgeht. 1942 wurde er landesweit wegen zu großen Ähnlichkeit mit dem Gruß der Faschisten und Nationalsozialisten, der wiederum separat entstand, abgeschafft.


Noch heftiger war es bei dieser Katze,...


... die, weil "sie aussah wie Hitler", beinahe totgeschlagen wurde. Man sieht, Idiotiekennt keine Grenzen. Auch nicht bei unschuldigen Tieren. :-(


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