Freitag, 21. August 2015

Beichte und Kommunion: "Vereinigung mit Seinem Willen"

[...] Eine wirkliche Reue und das echte Verlangen nach Christus zielen immer auch auf eine Vereinigung mit Seinem Willen ab, jedenfalls in wichtigen Dingen wie z.B. Sonntagsheiligung, Unauflöslichkeit der Ehe. Wenn ich daher diesen Willen nicht habe bzw. nicht wirklich umsetzen will, dann kann ich mich im strengeren Sinn nicht mit Ihm vereinigen, auch nicht geistigerweise. Auch wer da eine Sehnsucht nach der hl. Kommunion empfindet, müßte eigentlich eingestehen, daß er sich noch nicht wesentlich für Christus entschieden hat, und daher noch nicht fähig ist, fruchtbringend die geistige Kommunion zu empfangen.


Anders bei dem Menschen, der den festen Vorsatz zur nächstmöglichen Beichte hat, seine Sünden vollkommen bereut und die Hindernisse zum Empfang des Sakraments beseitigen will: Ihm ist die geistige, fruchtbringende Kommunion schon vor der Absolution möglich. [...]


So weit P. Andreas Lauer FSSP in der aktuellen Ausgabe des Informationsblattes der Priesterbruderschaft St. Petrus (S. 9-11) zum Thema Geistige Kommunion und allgemeiner Kommunionempfang.
Ein anderer Pater der Priesterbruderschaft, P. Bernward Deneke hat in einem persönlichen Gespräch einmal auf das Problem in vielen Pfarreien angesprochen, dass ein regelrechter "Zwang zur Kommunion" besteht, besonders dort, wo der "gemeinsame Mahlcharakter" mehr betont wird als das persönliche Verhältnis zum eucharistischen Herrn selbst. Wodurch eine schädliche Angewohnheit entstehen kann, besonders zu Zeiten, in denen das Bußsakrament, die hl. Beichte beinahe komplett vernachlässigt wird oder sogar zu einer Art neutralen Lebensberatung verkommt ohne theozentrischen Mittelpunkt des christlichen Lebens.

Diese Angewohnheiten bestehen meist im unbewussten Empfang der Kommunion, besonders wenn man sich nicht im Klaren ist, wen man in der Kommunion empfängt und welche Opfer damit verbunden waren, in erster Linie das blutige Opfer der Kreuzigung, das im unblutigen Opfer der Messe als immerwährendes Opfer aktualisiert und vergegenwärtigt wird. In der letzten Konsequenz kann es zu einer totalen Lieblosigkeit kommen, nicht nur dem eucharistischen Herrn gegenüber sondern dem Herrn allgemein, weil die Messe als Höhepunkt der Woche - wie es im Katechismus heißt - eine Schule der Demut und der Liebe für das gesamte Gebetsleben des Alltags darstellt.

Viele begnügen sich in diesem Punkt, den "Lieben Gott einen guten Mann sen zu lassen", wenn es ihnen gut geht, ansonsten aber sofort zornig und enttäuscht werden, wenn ihre Vorstellung vom perfekten Leben nicht möglich ist. Wenn man sich wirklich seines Glaubens bewusst ist, sollte man eigentlich wissen, dass es das "perfekte Leben" in diesem Leben nicht geben kann. Das Leben, wie wir es erleben, ist von ständigen Versuchen geprägt, vieles (oder sogar alles) ohne Gott machen zu wollen, was natürlich zu Enttäuschungen führt, da Gott für uns das ewige Leben mit Ihm vorgesehen hat, auf das wir uns selbst aber aus freien Stücken vorbereiten sollten.
Oder um noch einmal Chesterton zu zitieren: Der Glaube ist weniger eine intellektuelle Sache als eine Liebesverhältnis. Einen echten Freund oder eine echte Freundin würde man nie so halbherzig behandeln - außer man ist ein Schleicher und Schnorrer, der bei jeder unbefriedigten Lust oder Enttäuschung bereit ist die Seiten zu wechseln ohne sich nach dem näheren Grund für diesen Umstand zu fragen. Was übrigens derzeit bei der schleichenden Zersetzung des Gottesvolkes zu beobachten ist.


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