Montag, 17. August 2015

Edouard Ade zur Familiensynode: "Gesetz der Gradualität" statt "Gradualität des Gesetzes"

Man dürfte sich jetzt irgendwie an Asterix erinnert fühlen: Außen herum wird versucht, immer mehr Druck auf die Bischofssynode zu Familie und Ehe zu machen. Und die einzigen, die das nicht beeindruckt, sind die afrikanischen Bischöfe. Denn anders als man bei Kaspergate hörte, haben die nämlich ordentlich was auf dem Kasten, vor allem in den Schwerpunkten gelebte Pastoral und Moraltheologie.

Ein hervorragendes Beispiel findet man hierzu im aktuellen VATICAN Magazin, in dem Professor Edouard Ade aus Benin die Sache darlegt:


[...] Die Kirche muss in ihrem Lehramt bei einer präzisen Sprache bleiben. Da ihre Ehelehre weder Scheidung noch Wiederheirat kennt, darf sie nicht von „wiederverheirateten Geschiedenen“ sprechen, sondern von „Getrennt-Neuverbundenen“. In dem Fall, dass man die erstgenannte Bezeichnung übernimmt, welche im Zivilrecht verankert ist, sollte man klugerweise voranstellen: „...jene, die als wiederverheiratete Geschiedene bezeichnet werden“.

In Bezug auf die Gradualität unterscheidet das Lehramt seit dem heiligen Johannes Paul II. klar zwischen dem „Gesetz der Gradualität“ und der „Gradualität des Gesetzes“, wobei die letztere im Widerspruch zur katholischen Lehre steht. Die erstere hingegen räumt ein, dass ein Sünder Schritt für Schritt und Abschnitt für Abschnitt voranschreiten kann, um aus einer sündhaften Situation herauszutreten, dass er deshalb dabei auf die Gnade Gottes zählen kann, die in ihm die Reue und die Anstrengung zur Buße wachruft und die sich auf das „Gute“ stützen kann, das in ihm bleibt und das die Sünde nicht völlig zerstören konnte.


Die Synode wird darauf achten, dass klar unterschieden wird zwischen dem „Gut“, das im Sünder verbleibt, und der davon völlig verschiedenen Behauptung eines „Guten“ in Lebenssituationen, die dem Evangelium widersprechen. Wäre dies anders, warum sollten sich dann jene, die sich in solchen Situationen befinden, bemühen, diese hinter sich zu lassen? Wenn die Gradualität im Sinne einer Proportionalisierung der Wahrheit auf die jeweilige Lebenssituation hin verstanden würde, wäre das gefährlich, denn dies hieße „außerhalb des Weges voranzuschreiten“ (Thomas von Aquin). Derselbe doctor communis merkt an, dass „es besser ist, auf dem Weg zu hinken, als mit großen Schritten außerhalb des Weges zu laufen. Denn wer auf dem Weg hinkt, nährt sich dem Ziel, auch wenn er kaum vorankommt; jener aber, der außerhalb des Weges läuft, entfernt sich je weiter vom Ziel, desto angestrengter er läuft“ (Kommentar zum Johannesevangelium 14,2).

Die den Getrennt-Neuverbundenen schon gewährten Konzessionen:
Die Synode muss die schon von der Kirche gewährten Zugeständnisse in Erinnerung rufen. Sind sie bekannt und werden sie angewendet? Mit welchen Ergebnissen? Worin stellen sie gegebenenfalls in Bezug auf das Ziel, das das Seelenheil ist, nicht zufrieden; und sollten daher weitere Konzessionen gewährt werden?
„Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, dass, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, ‚sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind‘ (Johannes Paul II., Homilie zum Abschluss der VI. Bischofssynode (25.10.1980), 7: AAS 72 (1980) 1082).“
(Johannes Paul II., Familiaris Consortio, 84)

„Zweifellos ist die volle Teilnahme an der Eucharistie dann gegeben, wenn man auch selbst die Kommunion empfängt. Trotzdem muss darauf geachtet werden, dass diese richtige Aussage bei den Gläubigen nicht zu einem gewissen Automatismus führt, so als habe man, nur weil man sich während der Liturgie in der Kirche befindet, das Recht oder vielleicht sogar die Pflicht, zum eucharistischen Mahl zu gehen. Auch wenn es nicht möglich ist, die sakramentale Kommunion zu empfangen, bleibt die Teilnahme an der heiligen Messe notwendig, gültig, bedeutungsvoll und fruchtbar. Unter diesen Umständen ist es gut, das Verlangen nach der vollen Vereinigung mit Christus zu pflegen, zum Beispiel mit der Praxis der geistlichen Kommunion, an die Johannes Paul II. erinnert (vgl. Ecclesia de Eucharistia, n. 34) und die von heiligen Lehrmeistern des geistlichen Lebens empfohlen wird. (Darunter zum Beispiel Thomas von Aquin, Summa Theologiae, III, q. 80, a. 1,2; Theresia von Jesus, Weg der Vollkommenheit, Kap. 35. Die Lehre ist vom Konzil von Trient maßgebend bestätigt worden: 13. Sitzung, Kap. VIII.).“ (Benedikt XVI., Sacramentum Caritatis, 55)
[...]


1 Kommentar:

  1. Die afrikanischen Bischöfe haben ordentlich was auf dem Kasten. Zum Beispiel, wenn es darum geht, einem Menschen vor oder während seiner Ermordung mit glühenden Bügeleisen das Antlitz zu entstellen.

    http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2014/die-kirche-macht-mit-20781?page=all


    s. auch:
    https://wolfgangbrosche.wordpress.com/

    AntwortenLöschen