Montag, 3. August 2015

Liturgik des Grauens 4: Die Wasserpistolen-Edition

Richtiger Gebrauch: Ungeweihtes Wasser, 35° C im Schatten und Priester mit genug Freizeit. Wie derzeit hier im Camp der Petrusbruderschaft in Kanada.


Falscher Gebrauch: Geweihtes Wasser, eine volle Kirche und ein Priester, der den Gottesdienst ein wenig "attraktiver" machen möchte. Wie hier vor zwei Jahren in Mexiko.



Worin liegt der Fehler? 
Eine Wasserpistole erzeugt nur einen geradlinigen Strahl, der sich erst ab größerer Distanz streut. Dabei werden viele Messbesucher nicht vom Streuradius erfasst. Sieht also zwar irgendwie "cool" aus, bringt aber nicht viel - im Gegenteil fördert es nicht die Andacht der Gläubigen, sondern lenkt als unnötiges "Event" ohne sichtbaren und nachvollziehbaren Nutzen vielmehr ab.

Jedem, der einmal in seinem Leben einen Ego-Shooter spielte (oder wenigstens an einer größeren Wasserschlacht teilgenommen hat), dürfte bekannt sein, dass sich nach einer Weile ein gesteigerter Aufmerksamkeits-Effekt einstellt. Man ist also permanent darauf gefasst, dass gegnerischer Spieler (in diesem Falle ein Priester mit Wasserpistole) jederzeit von neuen einen mit einem gezielten Schuss aufschrecken kann. Das macht Sinn bei profanen Spielchen wie oben auf einem Camp oder irgendwann in der Freizeit zu Zerstreuung, in einem Gottesdienst hat das jedoch nichts zu suchen.

Das hätte übrigens auch dem Pärchen in der Horror-Komödie "The Frighteners" (1996) auffallen müssen, als der falscher Exorzist ebenfalls auf seine Weise "Weihwasser" in ihrer Wohnung herumspritzte.

Was kann man verbessern?
Die derzeit beste Lösung stellt das Aspergill dar. Der nötige Streuradius wird sowohl in der Nähe als auch in der Weite abgedeckt. Mit genug Schwung aus dem Handgelenk kann locker die Reichweite einer durchschnittlichen Wasserpistole größeren Kalibers erreicht werden. Da es sich um eine Sakramentalie handelt, erfüllt es auch seinen Zweck des Segnens, sogar wenn die Gläubigen nur einen kleinen Teil bzw. wegen zu großer Entfernung oder im Wege stehender Abdeckung nichts abbekommen, da es in erster Linie auf den Vollzug dieses "Realsymbols" ankommt, das Träger der geistigen Wirklichkeit ist, die eben über das Materielle hinausgeht. Eine Erfassbarkeit der Gläubigen ist dennoch empfehlenswert.

Einen weiteren Vorteil bietet das Aspergill: Es hat durch seine Handhabung im Handdreh eine beträchtlich kürzere Ladezeit als die Wasser-Schrotflinte. Außerdem ist man eher auf den Kontakt gefasst, da die Wassermenge angemessen verteilt wird. Der einzige, der aufschreckt, dürfte also wahrscheinlich derjenige sein, der kurz vor der Messe  eingeschlafen ist.




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