Samstag, 29. August 2015

Von eingebildeten Briefen und falschen Erwartungen



Manche glauben, wenn man ein ganzes Land über den Tisch ziehen kann, dann kann man das auch locker mit einem Papst machen, um auch den letzten Katholiken die "Intoleranz" auszutreiben. Nur ist das nicht so einfach, weil der Papst irgendwie das Gegenteil sagt.

Also macht man es wie beim letzten Konzil: Wenn das echte nicht nach der eigenen Meinung sputen will, dann zimmert man sich ein eigenes zusammen: das bekannte "Konzil der Medien" (Benedikt XVI.), das grundverschieden vom echten ist, aber den Erwartungen der meisten zum Thema "Aggiornamento" und "Öffnung" vollkommen entspricht. Der jetzige Papst passt mit seiner eher jovialen und gemütlichen Art ganz gut in dieses Vorhaben von Politik und Medien. Weil er so ganz freundlich und nett ist, darf er eigentlich nur freundliche und nette Dinge sagen - und natürlich nur solche, die man ganz genau von ihm hören will.

So behaupteten zwei lesbische Autorinnen von Gender-Kinderbüchern, die sie in einem eigenen Verlag in Italien betreiben, der Papst hätte sie persönlich ermutigt, weiter zu machen. Dumm nur, dass der Brief nicht persönlich vom Papst stammt.

[...] Auf Journalistenfragen antwortend gab der Vize-Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhls heute vormittag folgende Erklärung ab:
In Beantwortung eines höflichen und respektvollen Briefes von Francesca Pradi an den Heiligen Vater hat das Staatssekretariat in einem einfachen und pastoralen Stil den Empfang bestätigt und in Folge präzisiert, daß es sich dabei um eine private Antwort handelte und sie daher nicht für die Veröffentlichung bestimmt war (was aber leider geschehen ist).
Auf keine Weise will das Schreiben des Staatssekretariats Verhaltensweisen und Lehren billigen, die nicht mit dem Evangelium übereinstimmen, sondern den Wunsch für „eine immer fruchtbringendere Aktivität im Dienst der jungen Generationen und der Verbreitung der authentischen menschlichen und christlichen Werte“ äußerte.
Der Segen des Papstes am Ende des Briefes gilt der Person und nicht eventuellen Lehren über die Gender-Theorie, die nicht mit der Doktrin der Kirche übereinstimmen, wie der Heilige Vater mehrfach in jüngster Zeit betont hat. Eine Instrumentalisierung des Inhaltes des Briefes ist daher völlig unangebracht.
[...]


Auch die angebliche Ermutigung zu den Gender-Kinderbüchern, die sie ihm per Post geschickt hat, existiert nicht. Jedenfalls nicht außerhalb des Kopfes der Autorin.


[...] Nach der Richtigstellung durch den Vatikan vollzog Francesca Pradi eine schnelle Wendung. In einer von ihr verbreiteten Erklärung heißt es nun:

„Papst Franziskus hat mir nicht geschrieben: ‚Mach weiter‘. Seine Antwort ist keine Öffnung in Richtung homo-elterliche Familien. Aber es ist mit Sicherheit eine Änderung des Tones. Er gibt uns den Respekt zurück, den wir verdienen, als Personen und als Familien.“



Generell lässt sich in der letzen Zeit beobachten, dass sich immer mehr liberale Kräfte auf den Papst zu berufen versuchen - besonders seit bekannten Interview-Zitat, das für einen unglaublichen Hype in den Medien gesorgt hat, besonders aber auch bei LGBT-Gruppierungen mit ihrem platten Liebesverständnis. In den Vereinigten Staaten wurde allen ernstes versucht, mit einer Petition den Papst zur Abdankung des Erzbischofs von San Francisco zu bringen, weil er in Fragen der Sexualität katholische Standpunkte verteidigt (worüber ich schon mal berichtet habe). Eine weitere Gruppe aus Homosexuellen bildet sich dazu wirklich ein, mit einem Brief den Papst zur "vollen Akzeptanz" der Homosexualität von Seiten der katholischen Kirche zu bewegen. 

Dass in neo-liberalen Zeiten wie den unsrigen paradoxerweise eine regelrechte Forderung nach mehr kirchlichen Absolutismus ausgesprochen wird, dürfte auf den ersten Blick verwundern. Bis man bedenkt, dass der Papst und sein Amt lediglich als politische Schachfigur angesehen werden, um die eigenen Bedürfnisse besser durchsetzen zu können - im Ernstfall auch mit einer Art einseitigem Autoritarismus. Ein LGBT-Aktivist hat einmal in einem Chat geschrieben, dass man nach seiner Meinung die Institution der Ehe abschaffen sollte, da sie im Hinblick auf verschiedenste angebliche sexuelle Orientierungen und teilweise wechselnde Partnerschaften in sich vollkommen sinnlos sei. Dennoch sollte man sie unter der Auflage von "Homo-Ehen" weiter erhalten, damit Homosexuelle besser akzeptiert werden können. Dann könne man sie als überfälliges Überbleibsel abschaffen.

Das gleiche könnte auch bei Franziskus passieren, wie man es auch bei seinem Vorgänger, dem seligen Papst Paul VI. tat: Bei sicherem Ausblick auf sexuelle Selbstverwirklichung hat man ihn hochgejubelt - um ihn schließlich nach der Enzyklika "Humanae Vitae" unbarmherzig fallen zu lassen. Nur ob die Medien und die Lobby-Gruppen dazu bereit sind, dürfte bis zum nächsten großen Knall offen bleiben.




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