Mittwoch, 7. Oktober 2015

Wickelrockgate: We can fix that!

Ganz ehrlich gesagt verstehe ich die Kritik Maximilian Krahs nicht wirklich, auch nicht, warum das so wichtig zu sein scheint, dass selbst kath.net die Sache aufgreift. Alleine vom Titel "Häresie der Hässlichkeit" würde man zwar auf eine Parallele zu Martin Mosebachs "Häresie der Formlosigkeit" schließen. Was nicht wirklich zutrifft.

Mosebach kritisiert, dass durch den (auch geistigen) Bildersturm, der nach dem II. Vatikanischen Konzil einsetzte, die Messe als "Messopfer" ihren objektiven Charakter für die praktizierenden Gläubigen verloren hat, um einer breiteren Masse zu gefallen. Krah kritisiert, dass... Ähm, ja... Was eigentlich?

[...] Es erzeugt bei geistig gesunden Menschen einen innerlichen Widerstand, sich zu einer so demonstrativ hässlich auftretenden Gruppe hinzu zu gesellen. Die katholische Lehre assoziiert das Gute mit dem Schönen; Gott ist schön, Ästhetik, Stil, Geschmack sind deshalb positiv. Umgekehrt ist das Hässliche schlecht. Eine Moral, die zu hässlicher Kleidung aufruft, ist Widermoral. [...]

So gesehen hat er es nicht wirklich von einer Moral des guten Geschmacks, sondern bleibt im Laufe seiner Ausführung in einer Kritik an einer vermeintlichen "Widermoral" stecken, die auf einen vorkonziliaren Traditionalismus verortet wird, der irgendwie in den 50er und 60er Jahren stecken geblieben ist, weil anscheinend alles, was danach gekommen ist, nicht in das katholische Gesellschaftsbild passt. Was natürlich einige Probleme aufwirft.

Diverse Kleidungsstücke wie Miniröcke gab es schon in den 1950ern und sind für viele in den letzten Jahren wieder modern geworden. Wickelröcke gab es zu der Zeit auch schon, blieben aber weitgehend "modern", da sie auch eine schöne große Fläche für Batik- und Patchworkarbeiten bieten, wie sie gerne auch von alternativen Gruppen (vgl. DIE GRÜNEN in den 80ern, diverse Hippie-Kommunen) genutzt wurden, um sich auch äußerlich von der "kommerzialisierten Mode" zu distanzieren. Von einem "Feststecken in der Vergangenheit" kann man also nicht wirklich sprechen. 

Ein weiteres Problem betrifft das "Gefallen" an sich. Geschmack ist nicht nur subjektiv ("Jedem das Seine - Und das ist Meins!"), sondern auch von der Erscheinung und der Gewohnheit jedes Individuums abhängig. Dazu kommt noch katholischerseits das eigene Gewissen um die Wirkung auf den Nächsten, in diesem Falle, ob das eigene Outfit zu aufreizend ist - denn manche Kleidungsstücke sind eben auf diesen Effekt hin zugeschnitten. Man kann außerdem nicht von anderen erwarten, dass sie den eigenen Geschmack und die eigenen Vorstellungen teilen, noch weniger, dass sie es schon wissen, bevor sie einem überhaupt begegnet sind.
Sollte es zu Meinugsverschiedenheiten kommen, dann sollte man die Diskussion um Geschmack an sich komplett fallen lassen und dem "Genius der Frau" (hier ganz frei nach Johannes Paul II.) vertrauen: Einfach mal gemeinsam shoppen gehen und im weiteren Sinne nach zusätzlichen Accessoires Ausschau halten, denn da lernt man auch sich gegenseitig besser kennen. Was etwas anderes ist, als in einer Diskussion stecken zu bleiben, die sich auf Dauer irgendwo zwischen Hotpants und Burka festfährt.


Kommentare:

  1. Ah, vielen Dank, mich hat der Artikel ebenfalls ziemlich gestört, konnte das nur leider nicht so schön in Worte fassen!

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  2. Ohh! Jetzt kapier ich das erst! Der meint bestimmt Hipster!!! ;-)

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    1. Wozu es eigentlich noch mehr außer nur die Röcke zu kritisieren gibt...

      http://www.spiegel.de/panorama/absurder-wettkampf-hipster-olympiade-in-berlin-a-845709.html :-D

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    2. wohl wahr... aber es hat halt doch jeder so seine Schwerpunkte...;-)

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  3. Hm, ich wollte gerade noch hinzufügen, daß die Prämisse (Schönheit = Ausdruck von Gutheit) schlicht falsch ist. Nachdem ich mir den verlinkten Beitrag angeguckt habe, denke ich, das wäre Perlen vor die Säue. Der will nur trollen.

    Aber da wir hier ja natürlich keine Säue sind, schreibe ich es kurz trotzdem: Die Prämisse basiert auf der mittelalterlichen Transzendentalienlehre. Als zu dieser in der Neuzeit das Schöne hinzu kam (neben klassisch: Alles, was ist, ist, insofern es ist [also Anteil am Sein Gottes hat] "gut", "eins" und "wahr" [unum, bonum, verum convertuntur]), hatte der Nominalismus die Transzendentalienlehre eigentlich längst ad acta gelegt (sehr zum Nachteil der Philosophie, aber so ist es halt). Wenn man jetzt auch noch das Schöne nicht objektiv versteht, sondern subjektiv dem Geschmack anheimstellt, stellt man die ganze Transzendentalienlehre auf den Kopf. Nicht mehr, weil etwas wahr und gut ist, ist es auch schön, sondern weil es mir gefällt, halte ich es auch für wahr und gut. Das ist reiner Subjektivismus, der Wahrheit und Gutheit beliebig macht, und genau das beochten wir seit ein paar Jahrzehnten massiv (Stichwort: Diktatur des Relativismus). Wenn ich dann auch noch allen, die mein Geschmacksurteil nicht teilen, unterstelle, nicht ganz richtig im Kopf zu sein, ist der Troll perfekt.

    Und ich habe ihn gerade auch noch gefüttert. Mist.

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    1. Ich bin da wirklich kein Spezialist, aber finden kann man das doch schon vor der Neuzeit, bei Thomas z.B., der da Dionysios folgt. Der sagt ja gerade, das Güte und Schönheit austauschbar sind. Freilich reden wir von transzendentaler Schönheit. Darum würde ich mal ein ganz klein wenig einhaken wollen: Das Wecken von Wohlgefallen ist schon der Schönheit eigentümlich (wäre es das bloße Erkennen, würde es sich ja um das Wahre handeln), aber es gefällt darum, weil das Erkennende im Erkannten die rechte Beschaffenheit, Ordnung und Sinn, also Wahrheit und Güte erblickt.

      Und weitergefüttert. ;-)

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  4. Danke für die notwendigen Differenzierungen. :-)

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  5. Danke für den Beitrag! Ich selbst sehe die durch den Beitrag von Krah die Gefahr, dass sich Frauen verleiten lassen, unangebrachte Kleidung zu tragen. Deshalb gibt es auch auf retrokatholisch.de einen Artikel hierzu: http://www.retrokatholisch.de/2015/10/modesty-auf-dem-laufsteg/

    Viele Grüße vom Nachbar-Blog!
    Joe

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