Samstag, 26. Dezember 2015

Sed Contra: Chesterton und der Weihnachtsmann



Zur Diskussion über den Weihnachtsmann und dem christlichen Weihnachtsfest:
Angesichts des alljährlichen Weihnachtskommerzes mit dem korpulenten Rauschebart im roten Mantel dürfte es wundern, dass der katholische Autor G. K. Chesterton fest an seine Existenz glaubte und diesen kindlichen Glauben auch weiterempfahl.
Ist Chesterton in seiner allseits bekannten Phantasterei nun vollkommen durchgedreht, vor allem angesichts der heutigen Bemühungen, einem Totalausverkauf von Weihnachten entgegenzuwirken, die sich schon damals leicht abzeichnete?

Beileibe nicht, denn was heute zur Symbolgestalt des kollektiven Konsums geworden ist, stand als die damalige Märchengestalt noch für etwas ganz anderes, wie Chesterton seine Erlebnisse zur Zeit Queen Victorias schildert:


Als Kind war ich mit der Erklärung eines Phänomen konfrontiert. Ich hängte am Ende meines Bettes einen leeren Strumpf, der am nächsten Morgen ein voller Strumpf war. Ich hatte nichts mit der Sache zu tun, die ihn füllte. Ich habe nicht dafür gearbeitet oder nachgeholfen, dass es so passierte. Ich war nicht einmal brav gewesen - ganz im Gegenteil.

[...]

Damals wunderte ich mich, wer die Spielsachen in den Strumpf tat. Jetzt wundere ich mich, wer den Strumpf an das Bett tat, und das Bett in das Zimmer, das Zimmer in das Haus, das Haus auf den Planeten und den Planeten in den leeren Raum.

Einst dankte ich Santa Claus für ein paar Puppen und Nüsse. Nun danke ich ihm für Sterne und Straßen, für den Wein und das Meer. Einst fand ich es amüsant und fantastisch, ein Geschenk zu finden, das nur halb in den Strumpf passte. Nun bin ich amüsiert und beeindruckt, jeden Morgen ein Geschenk zu finden, das so groß war, dass man dazu zwei Strümpfe brauchte und von dem der größte Teil noch herausschaute. Es ist das großartige und Geschenk meiner Selbst [...]


Wenn man dann noch das Zitat aus Mt 5,45 im Kopf hat von Gott, der "die Sonne aufgehen lässt über Bösen und Guten und es regnen lässt über Gerechten und Ungerechten", dann dürfte schnell klar sein, wer für Chesterton der echte und einzige große Weihnachtsmann war und immer noch ist.
Und in dieser Nacht in seine Schöpfung trat und ihr seinen Sohn schenkte.


Kommentare:

  1. Kleiner Denkfehler? Chesterton spricht von Santa Claus, nicht vom Weihnachtsmann!
    Ansonsten Vergelt's Gott für die immer lesenswerten Beiträge!
    Eugenie Roth

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    1. Müsste im englischsprachigen Raum eigentlich als gegenseitiges Synonym verwendet werden.
      In den amerikanischen Weihnachtsfilmen (die wieder mal zuhauf liefen) wird ja der Weihnachtsmann gelegentlich auch "Santa Claus" oder "Santa" genannt, obwohl es sich nicht um den Hl. Nikolaus von Myra handelt.
      Die Handhabung in Deutschland ist ja bekannt, auch wenn der englische und der deutsche Name gerne mal durcheinander geworfen werden (siehe "Weihnachtsmannfreie Zone!"). Und Frankreich hat ja "Papa Noel". Ob da ebenfalls mal was mit der englischen Bezeichnung läuft, ist mir leider nicht näher bekannt. Vielleicht hat die Amerikanisierung des Festes für Touristen und durch Medien und Konsum auch schon ihren Teil getan.

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