Mittwoch, 13. April 2016

"Memorize the Faith" von Kevin Vost. Oder: Was "Sherlock" und Thomas von Aquin gemeinsam haben



Wer die modernisierte BBC-Version von Sherlock Holmes (lassen wir mal die ein oder anderen Bemerkungen von Schauspieler Benedict Cumberbatch beiseite) kennt, dürfte schon einmal von dem Begriff "Gedankenpalast" (oder wie uns Watson aufklärt: Gedankenhaus oder Loci-Methode) gehört haben.

Auf der Homepage des britischen Senders gibt es dazu gleich zwei interessante Artikel zu diesem Thema: Der eine beschreibt diverse Techniken, die bei der Memory-Weltmeisterschaft von den Gewinnern genutzt wurden, der andere die Kenntnis von Sherlock Holmes-Autor Sir Arthur Conan Doyle´s von dieser Merktechnik.

Wie im ersten Artikel erwähnt, ist diese Loci-Methode schon 2.500 Jahre alt und soll vom griechischen Dichter Simonides von Keos entwickelt worden sein, der sich mit wenigen Attributen seine Zuhörer, sowie ganze Sachverhalte merken konnte. Aber auch der Kirchenvater Aurelius Augustinus und Thomas von Aquin kamen auf diese Methode zu sprechen. Im Übrigen hat sie auch damals den Ruhm von Giordano Bruno begründet, der im übrigen leider mehr in der Beleidigung seiner Mitdozenten und diversen Plagiaten auffiel, die er hinter einer massiven esoterischen Wand zu verstecken suchte (Ist zwar ein anderes Thema, muss aber hier fairerweise auch mal angesprochen werden).

Speziell zu Thomas von Aquin verfasste der katholische Autor und Psychologe Kevin Vost ein sehr lesenswertes Buch mit dem Namen "Memorize the Faith! (And Most Anything Else)", in dem er in erster Linie auf die katechetische Nutzung des Loci-Systems eingeht, das man auch um weitere Komponenten erweitern kann, indem man seine "loci" immer weiter ausbauen oder neu ein- und ausrichten kann, indem man weitere gedankenbildnerische Verknüpfungen und Assoziationen herstellt oder sich kurze Geschichten zu ganzen Zahlenkombinationen erstellt, sich also Hilfspfade anlegt. Was für Einkaufslisten und Telephonnummer zu empfehlen ist.*
Dazu kommen graphische Bildbeispiele zur praktischen Anwendung, um den Vorgang weiter ersichtlich zu machen, sowie interessante Infos zum Thema Lernen und zu dem was passiert, wenn man versucht, sich Dinge zu merken.



*Beispiel: Die Nummer 73 25 93 4 kann man sich folgend merken: "Am Mittwoch esse ich ein Fischbrot im Bahnhof." 
Der Mittwoch bezieht sich auf die 73 (wenn man ihn als "Dritten von Sieben Tagen innerhalb einer Woche" ansieht), das Fischbrot auf die 25 ("Zwei Fische und fünf Brote" vgl. Mt 14, 13-21)) und die restlichen Zahlen auf den Bahnhof ("Gleis Neun DreiViertel" aus Harry Potter). An diesem Beispiel kann man sehen, dass diese Merkpfade die eigensinnigsten Formen und Codierungen annehmen, um eine oder mehrere Informationen möglichst einfach zu komprimieren.

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