Samstag, 9. April 2016

Raumillusion als Amiibo-Halter. Oder: Kleiner Exkurs in Sachen räumliches Sehen

Kommen wir zur Auflösung des Bastelprojektes: Es ist ein raumillusorischer Figurenhalter.



Für wen das zu kompliziert war, kommt hier die weitere Ausführung.
Nachdem ich schon bei einigen Freunden in der Hackerspace die eigentlich seit längerem umworbenen Amiibo-Figuren in Aktion sehen durfte, habe ich mir im Mediamarkt mal eine ganze Palette davon angesehen. Zugegeben, für das System Disney Infinity werden derzeit ähnliche Figuren in stilistisch besserer Ausführung angeboten, was sich vor allem als putzige Zierde für jedes DVD- und Büro-Regal eignet, vor allem, wenn man diverse Konsolen nicht besitzt.
Wie ich zum Beispiel.

Wie gesagt, beim Durchgang fiel mir an der zur Figur Wolf Link (erschienen zum Remake des Fantasy-Spieles "The Legend of Zelda: Twilight Princess") eine gewissen Schräglage auf (was übrigens eine Ausnahme zu den bisherig erschienenen Figuren darstellt). Sieht ein wenig seltsam aus, könnte man irgendwie optisch auskalibrieren und noch so weiteren Blödsinn damit anstellen. Also habe ich sie mir gekauft.

Aus dem vorletzen Ausbildungsblock Mediengestalter über das Erzeugen von optischer Räumlichkeit übernahm ich dann schnell die Idee, nicht nur eine Grundfläche, sondern gleich einen ganzen optischen Raum zu verzerren, in diesem Fall also dem Betrachter einen separaten Blickwinkel vorzugaukeln, der den Raum an sich weiter erscheinen und die gekippte Grundfläche etwas besser aussehen lässt. Die Planung dazu wurde auf dem Papier (teilweise sichtbar im letzen Posting) vollzogen.


Das Regal sollte in die Ecke des Arbeitsbereiches eingefügt werden, es entsteht an sich heraus also eine Linie, an der man sich für die Einrichtung der Perspektive ausrichten konnte. Da mit zunehmender Entfernung die Seitenwände auf dieser Linie kleiner werden, mussten diese Seiten als Trapeze angelegt werden, um die Optik weiter zu stachen und eine noch größere Entfernung zu dieser Ecklinie vorzutäuschen. Vergleiche dazu die Vorlagen für die Holzplatten-Elemente mit dem leicht gestrichelten Falz auf dem optisch normalen Wandformat.


Am Ende werden die Grundplatte (mit Loch, um den Sockel der Figur hineinzustellen und darunter deren Standwinkel zu kalibrieren) und die beiden Seitenwände aus Holz gesägt und zusammengefügt, eine Kuppel aus mehreren Schichten Papier, Kreppband und Leim geformt und zwei Säulen aus Karton und ebenfalls mit mehreren Schichten Kreppband und Leim eingefügt, um den optischen Effekt zu verstärken. Denn eine optischen Effekt kann man vor allem mit zwei Mitteln hervorrufen:

- Starke Größenunterschiede (siehe die beiden proportional verschieden großen und breiten Säulen).
- Größere Abdunklung bzw. Unschärfe entfernter Objekte.

Letzeres war der Grund, warum die Farben sowohl von der Grundfläche als auch von den Wänden in Richtung der Ecke leicht abgedunkelt, dagegen die Seiten, die am weitesten von der Ecke entfernt waren, aufgehellt wurden. Das Erzeugen von Schatten durch die vordere (an der nicht sichtbaren Seite übrigens offenen Säule) taten ihr übriges.


Was an dieser Stelle angemerkt werde muss: 

Dieser Effekt funktioniert nur, wenn an der primär betrachtenden Seite eine Art Sichtbarriere vorhanden ist, wie man es von den Theaterkulissen der Renaissance und des Barock kennt. 
- Betrachtet man also die Ecklinie, funktioniert das ( ist ja auch darauf hin geplant worden).
- Neigt man sich von diesem Punkt aus nach links, dann klappt das auch mit der rechten Wand wegen Sichtbarriere und der starken Abdunklung durch den Säulenschatten, der ein Schätzen der Tiefe weiter erschwert. [Bild links]
- Neigt man sich dagegen immer mehr nach rechts, um die linke Wand zu sehen, stellt sich mit Verschwinden der beiden Säulen und der Schattierung schnell die Ernüchterung ein, dass die Szene doch nicht so groß ist, da diese Seite nun ohne optische Ablenkung offenliegt. [Bild rechts]


Und noch einmal ein Blick von unten. Die vielen Ecken und Hohlräume lassen übrigens viel Platz für eventuelle technische Spielerein oder das Einfügen von Abstufungen in Richtung des Blickpunktes bzw. der Blicklinie, da diese weiteren gekippten Flächen vor dem Betrachter ebenfalls vorborgen werden können.  Dass man diese Hohlräume auch als Geheimverstecke nutzen kann, brauche ich an der Stelle sicher nicht erwähnen.



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