Donnerstag, 14. Juli 2016

Der Antichrist muss auch nicht unbedingt ein Mann sein... Oder: Wie Berufung NICHT funktioniert.



Ein eher amüsantes Beispiel von Medien"arbeit" bietet derzeit der reißerische Titel "Der Schrecken des Vatikans" in der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Nein, es geht nicht um das Finanzamt, sondern um eine Theologiestudentin, die um jeden Preis Priesterin werden möchte. In der Onlineausgabe wird zwar der obige Titel nicht verwendet, dafür kann man sich dort den vollen Genuss dieses Interviews reinziehen. Hier die Kurzfassung:

[...] Es handelt sich um die 28jährige Theologiestudentin Jacqueline Straub und sie wird so in der AZ vorgestellt: „Sie will katholische Priesterin werden. Ohne Wenn und Aber … Mit 15 Jahren hatte sie ein Erlebnis, das ihr altes Leben über den Haufen geworfen hat: ‚Ich wurde von Gott berufen‘ … Vor ihrer persönlichen Wende war sie nicht besonders religiös … Das kirchliche Leben beeindruckte sie kaum … Jacqueline sprach viel mit Pfarrern und Pastoralreferenten. Alle hörten ihr zu, die meisten machten ihr Mut und unterstützten das Vorhaben … 
Nach dem Abitur begann sie, Theologie zu studieren… Demnächst wird sie in Luzern ihr Masterstudium abschließen: ‚Die Schweizer sind liberaler‘ … Ihr größtes Pfund ist freilich nicht das Fachwissen … es ist ihr Gespräch für die Medien. Sie ist selbstbewusst, kann sich verkaufen. ‚Die meiste Arbeit verbringe ich mit Medienarbeit‘. Fernsehen, Tageszeitungen, Magazine. Jacqueline Straub hat keine Berührungsängste. 
Routiniert präsentiert sie ihre Argumente. Etwa dieses: ‚Ist es gerecht, wenn man mehr als die Hälfte der Christenheit von Weiheämtern ausschließt‘… Ihren Feldzug für Frauen im Priesteramt hat sie auf professionelle Beine gestellt. Ihre Schwester Meli leitet ein Fotostudio und hat für Jacqueline einen Online-Auftritt eingerichtet … Seit drei Jahren tourt sie mit ihrer Mission durch die Lande … Doch die Amtskirche und deren Bischöfe erreicht sie nicht, noch nicht …“ [...]

Lassen wir die Erklärung Johannes Pauls II. zum Thema Frauenpriestertum mal beiseite, auch die Probleme, die derzeit immer öfter in der (eher "katholisch" orientierten) anglikanischen Hochkirche zu beobachten sind, wo ebenfalls viele Gläubige ihre Probleme haben, dass in Persona Christi eine Frau vorsteht. Das Problem, das hier zutage tritt hat mit der "Berufung" selbst zu tun. 

Es ist großartig, wenn sich jemand bekehrt (wie sehr hat ja der Herr im Gleichnis vom verlorenen Schaf ja selbst dargelegt), es ist auch großartig, wenn jemand ein echtes Berufungserlebnis hat, die auch unter dem Gesichtspunkt der "Unterscheidung der Geister" als authentisch erkannt wird, da praktisch immer die Gefahr besteht, dass man von einer eigenen Berufung so überzeugt ist, dass man sich wirklich böse verrennt - obwohl es sich eher um eine subjektive Laune gehandelt hat. Eher von Großspurigkeit kann man dagegen sprechen, wenn es wie hier im Artikel etwa heißt: "Ich habe mich bekehrt - jetzt muss ich unbedingt Priester/Priesterin werden, weil Gott es von mir will." Oder von einem übermäßigen Anflug von Euphorie. Man kennt das ja: "Bekehrt - jetzt müssen unbedingt ohne großes Überlegen alle AC/DC-Platten rausfliegen. Egal ob man sie auch verkaufen, verschenken oder doch besser behalten sollte." Hab ich auch schon mal erlebt und habe mich auch mal mit einem der Piusbruderschaft nahen Bekannten, der ebenfalls so was durchgezogen hat, darüber unterhalten - wir fanden beide, dass das das ziemlich hirnloseste ist, was einem persönlich passieren kann und schämen uns bis heute beide darüber.

Gefährlich wird es allerdings, wenn diese (scheinbare) Berufung zum Aktionismus ausartet, der immer persönlicher werdende Züge annimmt und unbedingt die komplette Kirchenstruktur dafür ändern will. Wenn man ein bisschen die Kategorien "Auftritte" und "Radio"  auf der Homepage von Jacquline Straub durchstöbert, wird einem schnell klar, dass die Grenze von der kirchlich überprüften Berufung hin zur persönlichen Lebensmission schon längst überschritten worden ist. Das ganze dann noch mit der Bemerkung „Ich bin zur Priesterin berufen, nicht zur Konvertitin“ getoppt wird, wenn es um die Frage geht, warum sie nicht einfach zu einer anderen Konfession konvertiere, lässt ebenfalls immense Zweifel an einer göttlichen Berufung aufkommen. Weitere Anhaltspunkte für eine rein subjektive Vorliebe des "Berufes" lassen sich in diverse Bemerkungen wie beispielsweise in der Badischen Zeitung aufweisen, wobei ständig der Standpunkt in feiner "Ja ich bin ja auch einer Linie, ABER man könnte und sollte da was ändern"-Relativierungen aufgelöst werden:

[...] Auch heute noch findet sie es "herrlich, einen Pfarrer zu sehen, der predigt, die Eucharistie feiert, Kinder tauft". Der Wunsch, selbst Priesterin zu werden, "brennt in meinem Herzen". Sogar den Pflichtzölibat würde sie dafür in Kauf nehmen, obwohl sie eine freiwillige Regelung besser fände. [...]

Die entsprechenden Kampagnen, mit denen sie neben ihrem Studium ebenfalls sehr zeitaufwendig beschäftigt ist, und die Auftritte bei Podien wie der amerikanischen Women´s Ordination Conference lenken ebenfalls den Blick auf eine persönliche Angelegenheit, die unbedingt durch alle Kanäle durchgedrückt werden muss. Vor allem, wenn auch immer wieder die Rede vom persönlichen  "Wunsch" und der "schönen Seite" ist, der unbedingt durchgesetzt werden muss, für den man auch die Grundsätze der Kirche verändern sollte. Vor allem sollte man auch für seine Sache "brennen", die es auch so schön am Anfang ihrer Homepage heißt - sehr frei nach Augustinus, weil letztendlich sie selbst entscheidet, wie sehr jemand nach ihrer Ansicht für Gott "brennt".


Wie anders dagegen sieht der echte Dienst des Priesters aus, dem nicht mit einem Schlag (bzw. einer Bekehrung) sein Leben lang bewusst ist, dass er Priester werden soll! 

[...] Der Priester gelangt nicht durch das Streben nach Selbstverwirklichung, das Pochen auf die Vorrechte seines Standes oder das Hoffen auf die Anerkennung und Wertschätzung seiner Klugheit oder Wortgewandtheit zur Fülle seines Priestertums. Vielmehr ist es das Maß, in dem er selbst abnimmt, auf dass Christus in ihm zunehme, das den Priester im Widerspruch zum Verständnis dieser Welt zur wahren Fülle seines Dienstes führt. 

Obgleich ein Mann „mit Pauken und Trompeten“ wesentlich im Moment seiner Weihe zum Priester wird, ist es doch das in Treue und Innigkeit tagtäglich gelebte Beispiel, das den Priester immer mehr seinem unauslöschlichen Charakter angleicht. Priesterlicher Gehorsam ist das beständige Bemühen, Augenblick um Augenblick, seinem priesterlichen Wesen immer mehr zu entsprechen. 

Die Vertiefung und das Wachstum des Gehorsams kann dann Wirklichkeit werden, wenn Christus im Zentrum allen Strebens bleibt, der den Priester zu jener vertrauten Freundschaft einlädt, die ihren tiefsten Ausdruck im Geschehen am Altar findet. Die Vertiefung des priesterlichen Gehorsams folgt dem Beispiel Christi, der, wie uns die Heilige Schrift bezeugt, selbst Gehorsam gelernt hat. Wie kann es sein, dass der Sohn Gottes, der dem göttlichen Vater unendlich gehorsam ist, den Gehorsam „gelernt“ hat? Durch Sein Leiden und die Annahme desselben um unseretwillen. Indem sich Christus dieser gänzlich menschlichen Erfahrung des „Lernens“ übergab, hinterließ Er uns Sein Beispiel, damit auch wir in Seiner Nachfolge bestärkt und durch Sein Vorbild bei dieser zweifelsohne schwierigsten Anforderung an den Priester bestärkt würden. [...]

Erinnern wir uns: Der hl. Philipp Neri wurde erst ganz im Nachhinein zum Priester geweiht, davor verkündete er jahrelang als Laie das Wort Gottes, ohne groß auf "seine Berufung" zu pochen. Der hl. Franziskus war zwar ein großer Wohl- und Wundertäter, wollte aber nie zum Priester geweiht werden, weil er sich nicht für würdig gehalten hat (vielleicht litt er ja aber auch nur an einem unterentwicklten laikalen Ungerechtigkeitsbewusstsein). Von so großartigen Frauengestalten wie Theresia von Lisieux, Theresia von Avila und Katharina von Siena (die es sogar fertig brachte, den Papst ordentlich zusammenzuschimpfen, dass er vom fernen schönen Avignon wieder zurück nach Rom kam) brauche ich an der Stelle nicht anzufangen - von ihnen hat ebenfalls keine unbedingt die Fundamente der Kirche erschüttern wollen. Und nein, es lag nicht an einer "repressiven" oder "rückständigen Kirche".

Von einem "Schrecken des Vatikans" kann man an dieser Stelle nicht einmal sprechen. Man braucht sich auch nicht darüber beschweren, dass "die Bischöfe und die Amtskirche noch nicht erreicht worden" seien. Das ist schon eher ein Problem der "Vierten Macht im Staate" mit seinem persönlichen Medien- und Agitationsmessianismus, der auf Dauer alles auszuhöhlen glaubt wie das Wasser den Stein - und doch seit über 500 Jahren ein erfolgloses Anrennen an den Felsen darstellt, das einzig deshalb noch nicht als frustrierend empfunden wird, weil man sich selbst ständig in der letztendlichen Vorreiterrolle sieht. Und sich doch ständig im Kreise dreht. 


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