Dienstag, 19. Juli 2016

Noch mal zu "Pokemon Go". Aber jetzt ernsthaft.

Jetzt mal Spaß beiseite. Da kann es zu einem Anschlag in Nizza kommen oder zu einem Putsch mit anschließenden "Säuberungsaktionen" - in den Medien wird seit einigen Tagen durchgehend vom neuen Nintendo-Coup "Pokemon Go" berichtet. Primär natürlich wegen diversen Zwischenfällen (sonst wäre bei Anne Will schon längst eine nicht endende Diskussion um die ominöse NX-Konsole entbrannt), auf die besonders Eltern hingewiesen werden müssen.

Die Pokemon-Spielereihe existiert schon seit 1996 - entwickelt von einem Japaner, der als Kind gerne Käfer sammelte, heute übrigens immer noch eine beliebte Beschäftigung im ostasiatischen Raum. Nachdem sie in den letzten (mehreren) Jahren etwas eingedusselt war und bestenfalls noch einige Studenten begeistern konnte, die mit Listen und Berechnungen schon im Voraus versuchten, ihre Gewinnchancen den Kampf der Monsterchen auszurechnen (hat ein Kumpel von mir ziemlich oft gemacht, der auch begeisterter Pen ´n Paper-Rollenspieler ist), kamen sie jetzt mit voller Wucht zurück.

Das Zauberwort heißt "Augmented Reality". Anders als bei der "Virtual Reality" wird hier die "Realität erweitert", das heißt: Animationen werden durch den Bildschirm in die von Smartphone bzw. Tablet wahrgenommene Umwelt projiziert. Und glaubt mir: Mit Phantasiewesen, die man einfangen und trainieren kann eröffnen sich da ganz neue Möglichkeiten.

Zum derzeitigen technischen Stand lässt sich sagen, dass diese Form des Spielens generell heiß diskutiert ist, zum einen wegen den App In-Einkäufen (um schneller voran zu kommen), andererseits wegen des Datenschutzes. Die App funktioniert mit GPS, weswegen sich die eigenen Positionen leicht aufzeichnen lassen können. Welche Ausmaße das im schlimmsten Fall auslösen kann, dürfte noch offen bleiben. Desweiteren werden die kleinen Monstern auch mal über GPS an solchen Orten platziert, wo sie eigentlich nichts zu suchen hätten und es für die App-Benutzer gefährlich werden könnte. Zum Beispiel auf Autobahnen oder Truppenübungsplätzen. Auch im Holocaustmahnmal oder speziell in Auschwitz gilt bald Hausverbot. Für Unfälle durch permanentes Schauen auf den Bildschirm hat man übrigens auch schon eine sehr intelligente Lösung gefunden.

Was in der Zwischenzeit aber vor allem auffiel: Die Benutzer der App sind ausnahmsweise mal länger an der frischen Luft als normal, weil die Pokemon und entsprechende Ladestationen frei an und um öffentlichen Plätzen verteilt sind.
Zum Vergleich: Versucht mal in Wind Waker Segelboot zu fahren - Richtig: Ihr bracht eure Wohnungen überhaupt nicht zu verlassen (außer bei der DS3-Version, auf die jedoch die Umwelt keinerlei Einfluss hat).
Einige Freunde aus der Hackerspace trafen sich bisweilen auch mal spontan, um auf der Karte angezeigte Orte gemeinsam aufzusuchen, ansonsten hätten sie wahrscheinlich noch länger in der Werkstatt gezockt und zufällige Youtube- und Program-Videos reingezogen.
Inzwischen wird sogar ein höheres Interesse an der Benutzung des Spieles als an Pornographie verzeichnet - auch wenn es derzeit viele gibt, die das Thema gerne für das Gegenteil ausschlachten wollen (Ja, ich sehe dich gerade an, Planned Parenthood). In diesem Sinne: Hut ab, Nintendo. 

Natürlich kommt jetzt das, was ganz besonders interessant ist für Lehrer/ Katecheten/ Pädagogen/ vernerdete Dozenten/ etc.: Wie kann man das im Sinne des Edutainment nutzen?
Ansatzpunkte gibt es natürlich viele, vor allem, wenn man an der frischen Natur ist. Das könnte beispielsweise Aufgaben umfassen wie das Sammeln von Pflanzen (schon bemerkt, dass jeder Professor in der Pokemon-Spielereihe nach einem Baum benannt ist? Siehe Prof. Willow/Weide in Pokemon Go) oder dem Kartographieren für den Erdkunde-Unterricht. Praktischerweise wird die Umgebung als GPS-Karte angezeigt, man kann sie also auf Papier nachzeichnen und entsprechend signifikante Merkmale wie Denkmäler, Hügel, Berge oder sonstige Auffälligkeiten einfügen. Und wie praktisch: Es ist sogar ein Kompass mit im Spiel dabei :3

Katechetisch wird es ein wenig schwieriger. Oder generell ein wenig schwieriger, weil man sich mit Games als erweiterndes Element für den Unterricht noch nicht so weitreichend beschäftigt hat. Eine Ausnahme bildet wahrscheinlich ein spanische Priester, der das Spiel Minecraft für den Unterricht benutzt, indem er den Schülern den Auftrag gibt, eine Kirche mit allen wichtigen Merkmalen nachzubauen und herauszufinden, welche Bedeutung sie für den Gottesdienst haben und auf was im Glaubensleben sie verweisen. Aber zu Minecraft sei nur so viel gesagt: Couchpotato.

Vielleicht kann man ja an bestimmten (Wallfahrts-)Orten Hinweise zum Innehalten und Betrachten platzieren - unter anderem, weil auch dort die knuffigen Wesen ab und zu auftauchen, ohne dass man davon weiß. Diese Richtung schlägt beispielsweise der Bischof von Orange County angesichts des Hypes vor, von dem er sich ebenfalls leicht anstecken ließ:

“You might never find a Pikachu, but I promise you this – Search for Jesus, and you’ll find Him every time. Let #PokemonGO. Go #FindGOD.”


So, und jetzt entschuldigt mich. Ich muss das Dusselgurr in meinem Garten fangen.
Ach ne, halt. Das ist ja ne echte Taube...



1 Kommentar:

  1. Kirchen in Minecraft nachzubauen ist super!! :-D
    https://iuxtacrucem.wordpress.com/2015/12/14/minecraft-kirche/

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