Donnerstag, 8. September 2016

Doktor Carrel und Lourdes. Oder: Wo die Macht des Menschen zu Ende ist.

Der weltberühmte französische Nobelpreisträger für Medizin, Alexis Carrel, war zu Beginn des Jahrhunderts Prosektor an der medizinischen Fakultät in Lyon. Auf einer wissenschaftlichen Tagung wurde er vom leitenden Professor gefragt: "Was machten Sie eigentlich mit unserem hoffnungslosen Fall?" 


Carrel erwiderte: "Sie meinen das Mädchen mit dem fortgeschrittenen tuberkulösen Abszess an der rechten Hüfte." Gespanntes Schweigen im Saal. Der junge Wissenschaftler fuhr fort: "Ja, als ich mit aller Weisheit am Ende war, da habe ich sie nach Lourdes geschickt..."
"Habe ich recht gehört? Glaubten Sie etwa, dass Ihre Kranke auf die Art gesund würde?" Und in einem angereizten Ton setzte der Professor hinzu: "Da lacht doch die ganze medizinische Welt!"
Carrel ließ sich nicht beirren: "Meine Herren, es musste doch etwas getan werden. Ich habe ja selbst nicht mit einem Erfolg gerechnet. Aber ich kann Ihnen bestätigen: Heute morgen habe ich meine Kranke geheilt wiedergesehen. Ich konnte es selbst nicht fassen, aber es ist so. Sie können sich ja selbst überzeugen." 

Statt sich zu überzeugen, ließ sich der Professor von einer Trotzreaktion, die eines Wissenschaftler unwürdig ist, hinreißen: "Mein Herr, ich denke, es ist zwecklos, mit Ihnen zu reden. Mit solchen Ideen im Kopf, Monsieur Carrel, glaube ich Ihnen sagen zu müssen, haben Sie hier unter uns nichts mehr zu suchen. Die Fakultät wird Ihnen ihre Tore niemals öffnen."
Der junge Mediziner ließ sich nicht aus der Fassung bringen: "Wenn Sie sich, Herr Professor, durch diesen Fall und durch meine Anwesenheit bedroht fühlen, dann gehe ich meiner Wege."
Carrel begann sich wissenschaftlich mit Lourdes zu beschäftigen. Als ärztlicher Betreuer eines Pilgerzuges wurde er im Jahre 1903 Augenzeuge einer weiteren Heilung. Vor Carrels Augen wurde das Mädchen Marie Ferrand, die bereits Kavernen in den Lungen und Tbc-Wunden hatte und die nach dem Zeugnis berühmter Ärzte in akuter Lebensgefahr schwebte, innerhalb von Minuten gesund.
Carrel wurde Forscher am Rockefeller-Institut in New York. Sein Spezialgebiet waren Gewebezüchtungen im Zusammenhang mit der Krebsforschung. Seine Ergebnisse waren so erfolgreich, dass er im Jahre 1912 für seine Organtransplantationen und Gewebekulturen mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. 

Er studierte die Lebensäußerungen des Menschen, seine Prägung durch Beruf, Umwelt, Leidenschaften und Krankheit; seine Erkenntnisse bilden den Grundstein seines berühmten Buches "Der Mensch, das unbekannte Wesen" [Man beachte dazu bitte die Anmerkung am Ende des Postings]. Darin schildert er seine Beobachtung an Kranken, die in Lourdes einzig durch die Macht des Gebetes geheilt wurden: "Ich glaube an wunderbare Heilungen. Nie werde ich das erschütternde Ereignis vergessen, als ich sah, wie ein krebsartiges Geschwür an der Hand eines Arbeiters vor meinen Augen zu einer kleinen Narbe zusammenschrumpfte. Verstehen kann ich das nicht, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe." Im gleichen Werk heißt es über das Gebet: "Das Gebet ist die mächtigste Form der Energie, die wir ausstrahlen." Und in seinem Buch "Betrachtungen zur Lebensführung" schreibt Carrel: 

"Das Bedürfnis nach Gott äußert sich im Gebet. Das Gebet ist ein Notschrei, ein Verlangen nach Hilfe, eine Hymne der Liebe. E besteht nicht in einem traurigen Hersagen von Worten, deren Sinn uns unverständlich ist. Es hat fast immer eine positive Wirkung . Alles geht vor sich, als ob Gott uns erhörte und uns unmittelbar eine Antwort gäbe. Unerwartete Ereignisse treffen ein; das geistige Gleichgewicht wird hergestellt. Das Gefühl unserer Vereinsamung, unserer Ohnmacht und der Nutzlosigkeit unserer Anstrengungen verschwindet. Die Welt verliert ihre Ungerechtigkeit und Grausamkeit und wird freundlich gesinnt. Eine seltsame Macht entwickelt sich im Innern von uns selbst. Das Gebet verleiht die Kraft, Sorgen und Kümmernisse zu ertragen, zu hoffen, wenn es keine logische Ursache zur Hoffnung mehr gibt, und inmitten von Katastrophen aufrecht zu bleiben."
Der große Mediziner starb 1944 als Opfer von Hitlers Gestapo. [...]

[...] Jesus hatte seinen Jüngern nicht nur den Auftrag gegeben, das Evangelium zu verkünden, sondern auch Kranke zu heilen. "Heilt die Kranken und sagt: Genaht hat sich euch das Reich Gottes" (Lukas 10.9).


Wenn es also heute keine Priester und Bischöfe mehr gäbe, die Kranke heilen würden, dann würde die Kirche ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Jesus hatte die Heilung von Kranken geradezu als Kriterium für den Anbruch des Gottesreiches bezeichnet, lesen wir doch bei Matthäus 11,2: Da Johannes im Gefängnis vom Wirken Christi hörte, sandte er Botschaft durch seine Jünger und ließ ihm sagen: "Bist du es, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?" Jesus antwortete ihnen: "Gehet hin und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, den Armen wird das Evangelium verkündet..."

Wenn das, worüber in diesem Buch berichtet wird, im Kreml zu Moskau passiert wäre, ich glaube, die Kommunisten würden den Fall unter Einsatz ihres gesamten Propagandaapparates parteipolitisch auswerten als Beweis für die Richtigkeit ihrer Ideologie. Zum Glück ist das Christentum keine Ideologie und ist nicht auf Sensationen angewiesen. Unser Gott ist ein Gott der Ordnung, ein Gott, der im Stillen wirkt. Die großen Wunder geschehen im Stillen: eine Raupe, die sich einspinnt und in einen Schmetterling verwandelt, eine Rehgeiß, die im taufrischen Gras ihre Jungen wirft, eine Lindenblüte, die sich vom Wind forttragen lässt...

Der gewaltige Schöpfer des Weltalls von fünfzehn Milliarden Lichtjahren Durchmesser, von fünfzehn Milliarden Lichtjahren Alter und von fünfzehn Trillionen Sonnen ist nicht auf Schlagzeilen angewiesen. [...]

Ida Lüthold-Minder: "Ich wurde in Lourdes geheilt - Medizinisch und kirchlich anerkanntes Wunder". Christiana-Verlag, Auflagedatum unbekannt, da Seite mit Impressum leider fehlt. Zitiert aus dem Vorwort von Arnold Guillet.


Mit genanntem Lourdes-Erlebnis beschäftigt sich auch ein Lesebuch, weiterhin ist aber nachträglich auf die starke eugenische Ausprägung Carrels hinzuweisen, die angesichts dessen nicht bagatellisieren werden darf und die er in genanntem Buch "Der Mensch, das unbekannte Wesen" leider ganz offen vertritt.

Man merke: Nur weil jemand ein Wunder erlebt hat, muss er noch lange kein Heiliger sein. 
Davon gibt es leider genug Beispiele, die einen etwas üblen Nachgeschmack hinterlassen.



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