Freitag, 2. September 2016

Logisches Wolkenkuckucksheim. Oder: Einen kurzen Blick in die Hölle wagen?



"Wir haben so viel mehr Probleme. Es ist wirklich frustrierend, so viel Aufwand an solchen Argumente zu verschwenden, die auf schlechter Wissenschaft und fehlendem Verständnis basieren."

Sagte Bill Nye, der "Science Guy", der bald wieder eine neue Sendung erhält. Schaut man sich den Lebenslauf Nyes an (Maschinenbauingenieur, dann vor allem Moderator eines Wissensmagazins für Kinder, jedoch ohne weitere wissenschaftliche Ausbildung), aber auch vor allem seine eigene Definition, was ein "Wissenschaftler" sei, wird schnell klar: Wissenschaft heißt Standpunkte vertreten.

Und mit seiner Verteidigung von Planned Parenthood fährt er eindeutig das, was er für "Wissenschaft" hält, (wieder mal) ordentlich gegen die Wand.


Schauen wir uns sein Hauptargument an:
- Abtreibung sollte nicht verboten werden, da sie eigentlich vollkommen natürlich sei.
Wenn es möglich ist, dass eine befruchtete Eizelle sich nicht zu einem Menschen entwickle, weil sie schon vor der Einnistung abstirbt oder es aus sonstigen Gründen OHNE Eingriff des Menschen nicht zur Entwicklung eines Menschen kommt, warum sollte man dann eine solche abgebrochene Entwicklung an sich bestrafen?

Der geneigte Leser lasse sich noch einmal folgenden Gedankengang mit einem anderen Inhalt durch den Kopf gehen.

Es geht um Menschen, die andere vor fahrende Autos schubsen.
Natürlich kann man sich über sie ebenfalls wie im Planned Parenthood-Skandal (der eher im Plural: "-Skandalen") emotional aufregen und deren Bestrafung fordern. Aber seien wir doch mal ehrlich: Jeden Tag kommen hunderte Menschen auch OHNE kleine Schubshilfe ums Leben, weil sie von Fahrzeuge erfasst werden. Sei es, dass sie nicht aufmerksam im Straßenverkehr unterwegs sind oder eben einfach nur Pech haben. In diesem Fall werden weder der Inhaber der betroffenen Fahrzeugs noch der nicht anwesende Schubser bestraft. Warum sollte man also bei ein wenig situativer Nachhilfe eine Ausnahme machen?

Schon ganz langsam auf der Zunge zergangen lassen? Gut, kommen wir zum nächsten Punkt.

Nach Nye solle man "Fakten" vor "die Interpretation eines Buches, das vor 5.000 Jahren geschrieben wurde" setzen. Im Fadenkreuz hat er natürlich primär die Christen. Dass eine solche Weigerung des Schwangerschaftsabbruches nicht alleine auf die Bibel beschränkt ist, sondern auch im Eid des Hippokrates (um 400 v. Chr.) als ethisch verpflichtend für jeden Arzt angesehen und der heute auch von Nicht-Religiösen nicht nur eingehalten, sondern wärmstens an ihre Nachfolger empfohlen wird, wird hierbei völlig ignoriert. Wie auch die Tatsache, dass es nicht primär die Aufgabe eines Wissenschaftlers ist, Wissen zu vermitteln (das ist die Aufgabe von Lehrern, in diesem Falle auch die Aufgabe von angemaßten Oberlehrern), sondern die Dinge an sich und ihre Zusammenhänge zu erforschen. Und eben solche Ärzte und Wissenschaftler im Kreis des Hippokrates und diejenigen, die sich als seine Nachfolger verstanden, beriefen sich nach ihrer Erfahrung darauf, dass werdendes Leben genauso schützenswert sei wie endendes Leben.

Worauf sie diese Argumentation stützen? Würde mal sagen auf Erfahrung.
Seien wir mal ehrlich. Dass sich der Arzt in einem 2.400 Jahre alten Eid weigern soll, einen Schwangerschaftsabbruch herbeizuführen, setzt doch schon an sich voraus, dass er die Mittel dazu hatte und es konnte. Und wenn er es konnte und auch durchführte - dann kam so einiges zu Vorschein, was irgendwie wie ein menschliches Lebewesen aussieht und im Anbetracht der damaligen Beobachtungen der Schwangerschaft schon alles für einen Menschen einigermaßen an sich trug. Wenn man mir das nicht glaubt, sollte man sich diverse Anatomische Sammlungen von Universitäten und Museen (hust hust - Senckenberg-Museum) oder am besten gleich die KÖRPERWELTEN-Ausstellung von Gunther von Hagens ansehen, wo sie sichtbar gut konserviert für Besucher zugänglich sind. Da Embryonen nicht auf Bäumen, sondern in Müttern wachsen, dürfte schon klar sein, wo dieses "Material" herkommt - das ist wirklich kein Geheimnis. Und auch manchem damaligem Arzt dürfte es damals eiskalt den Rücken hinunter gelaufen sein, wenn er sich die Details näher angesehen hat. Und mit der Zeit erkannte, dass er einen Menschen am Leben hinderte, bevor dieser überhaupt noch das Licht der Welt erblickte.

Damit kommen wir zu letzten und wirklich ungeheuer widerlichsten rhetorischen Trick des sogenannten "Science Guy´s". Er reduziert die Abtreibungen, die Planned Parenthood vorgenommen lediglich auf das, was die meisten Leute gern als das beschreiben, was "nicht einmal wie ein Mensch aussieht". Also das embryonale Stadium in den ersten paar Wochen.

Falsch gedacht.
Und zwar so was von.


Der Skandal dreht sich vor allem um die regelrechte Ausschlachtung und Weiterverkauf von abgetriebenen Embryonen - von denen weder die Mütter noch die staatlichen Stellen etwas erfuhren, die Planned Parenthood finanziell unterstützen. Nochmals werde ich die ganzen Meldungen nicht noch mal aufzählen. Man lese dazu chronologisch die Postings dieses Blogs hierhierhierhier uuuuund hierhierhierhierhier und zuletzt hier.

Doch nicht nur das öffentliche Vertuschen (auch mit Hilfe von staatlicher Seite) spielte hier eine Rolle. Man wollte auch den "Kunden" keine Bedenken kommen lassen. Organmaterial von abgetriebenen Kindern? Mein Gott, nennen Sie das nicht Kinder - das ist inzwischen schon so zerfleddert, das erkennt man schon nicht mehr.
Und wenn man die schon im ganzen Stück liefert, dann entfernt doch bitte das, was durchschnittliche Menschen als Händchen und Füßchen erkennen können. Kopf auch noch dran? Dann macht dem Ding doch die Augen zu.

Und hier wie auch an den "Fakten", die Nye im Namen der "Wissenschaft" und "Objektivität" präsentiert liegt das Problem an der ganzen Sache. Die ganze schön zusammengebastelte Welt droht Risse zu kriegen, wenn man die wirkliche Objektivität zulässt, also versucht man der ganzen Sache rhetorisch aus dem Weg zu gehen.
Ein französischer KZ-Überlebender hat davon berichtete, dass der damalige SS-Hauptmann befohlen habe, bei den erschossenen Gefangenen nicht von "den Toten", sondern von "Figuren" oder "Gestalten" zu sprechen, um auch bei den Opfern die Hemmungen vor einem toten - weil ermordeten -Insassen zu mindern und ihnen diese zu Sprache gewordene emotionslose "Objektivität" regelmäßig unter die Nase zu reiben, um ihnen zu zeigen, wie wertlos diese "Opfer" jetzt oder überhaupt schon immer gewesen seien.

Das Gleiche passiert hier. Man missachtet regelrecht den faktischen Sachverhalt, der sich beim Planned Parenthood-Skandal auftut - wahrscheinlich weil man Abtreibung als absolut unerlässlichen Teil des gesellschaftlichen Fortschrittes ansieht - und bezeichnet jeden, der anderer Meinung ist als "unwissenschaftlich" und "nicht diskursfähig".

So funktioniert die Wissenschaft Bill Nye´s, an die gefälligst jeder zu glauben hat.
Und die Logik derer, die es vollkommen unreflektiert nachplappern.



Kommentare:

  1. Leute lasst die Finger von den Naturwissenschaften! Das ist nicht der Themenkreis der römisch-katholischen Kirche, die es bisher immer noch geschafft hat keuchend atemlos und mit bis zum Zingulum heraushängender Zunge um Jahrhunderte zu spät am Schauplatz praktisch jeder wissenschaftlichen Erkenntnis einzutreffen.
    Eines der raren katholischen Exemplare, die Schrittmacher der Wissenschaft waren, war dieser Augustiner-Eremit aus Brünn Gregor Mendel und der letzte, der sich und die Kirche international bis auf die Knochen blamiert hat mit gediegenstem Unwissen, war SE Kardinal Schönborn in der New York Times. Der hat es mit einem einzigen Artikel geschafft die Kirche der Lächerlichkeit par excellence preis zu geben.
    Dabei geht es auch völlig anders, weniger erhitzt, cooler würde man heute sagen, wie Kenneth R. Miller von der Brown (immerhin echteste Ivy League!) in Rhode Island bewiesen hat. Er selbst, bekennender gläubiger Katholik, war praktisch der einzige, der Dawkins halbwegs paroli bieten konnte und das völlig ohne Schaum vorm Mund. Ebenso wie Theodosius Dobzhansky, der, zusammen mit Ernst Mayr (leider ein bekennender Atheist), die von Charles Darwin begründete Evolutionstheorie im zwanzigsten Jahrhundert zur Synthetischen Evolutionstheorie (die Zusammenhänge Darwinscher Erkenntnisse mit denen der aktuellen Molekularbiologie und Genetik) erweiterte. Dobzhansky war glühender russisch orthodoxer Christ, dessen Wissen und Glauben problemlos vereint werden konnten, ohne sich ereifern zu müssen.
    Also nochmal meine Bitte, wischt Euch den Schaum vom Mund und bleibt bei dem, was Ihr könnt. Seelen betreuen. Menschen trösten. Auf naturwissenschaftlichem Gebiet ist die römisch katholische Kirche und bis auf wenige berühmte Ausnahmen auch ihre Anhängerschaft, völlig hilflos und verloren.
    Das schlimmste, was ich je lesen musste war eine Aufklärungsschrift deutscher Bischöfe über Infektionen mit dem Human Immundeficiency Virus. Dort wurde die Frage, wer kann kein AIDS bekommen beantwortet mit dem Satz, "Wer keinen Geschlechtsverkehr hat!" Schlimmer gehts wohl kaum. Naturwissenschaft mit Glaubensregeln verquirlt ergibt sinnloses Zeugs. Bei HIV Infektionen und bei chemischen Kontrazeptiva; bei Planned Parenthood (hat schon mal jemand WIRKLICH nachgesehen, was die machen? Wohl kaum, wenn man obige Suada gelesen hat.) und bei Schwangerschaftsabbrüchen. Danke für die Kenntnisnahme!

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    1. Keine Ahnung, was ich von diesem Posting halten soll.

      Dass "wir" uns den Schaum vom Mund wischen sollen leuchtet mir nicht so ganz ein. Dieser Artikel wurde nur von einer Person geschrieben, andere waren nicht daran beteiligt. Und da ich auch nicht an multipler Persönlichkeitsstörung leide, ist es wohl wieder mal ein "ihr Katholiken"-Schubladenangriff, der nicht wirklich auf die Argumentation eingeht, die sich mit den Behauptungen Nye´s auseinandersetzt, sondern irgendetwas mit "bleibt raus aus der Wissenschaft!", "ihr habt eh keine Ahnung!" und "wischt euch dem Schaum vom Mund!" aneinanderreiht. Wobei vollkommen offen bleibt, wer damit überhaupt gemeint ist.

      Nicht ganz verständlich ist mir in diesem Kontext, wie Sie einerseits Mendel als "rares katholisches Exemplar" nennen können, dann doch noch Kenneth R. Miller als positives Beispiel erwähnen, ansonsten aber einfach auf viele andere katholische Forscher wie beispielsweise Georges Lemaitre, Albertus Magnus oder Christopher Clavius beiseite lassen. Meinen Sie jetzt in der Seelsorge engagierte Katholiken, also primär den Klerus in seiner Tätgkeit, oder praktizierende Katholiken an sich? Ich persönlich bin übrigens KEIN Geistlicher. Wohin dieser Kommetar also zielt, bleibt mir daher unverständlich.

      Selbst bei ersterem dürfte angesichts der ethischen Diskussionen, mit denen sich Geistliche auseinandersetzen müssen, auf wissenschaftliche Themen eingegangen werden. Was ich hier als Laie tue, der sich außerdem oft mit der vorliegenden Problematik beschäftigt hat und sich dazu gerne äußern möchte. Was also dieses Schlagwort "Lasst die Finger von den Naturwissenschaften!" zu bedeuten hat, ist ebenfalls völlig unklar. Wenn es darum geht, dass Normalos in Labore wie dem CERN reinspazieren und Dinge ausprobieren, dann könnte man schon davon sprechen, dass man die Finger von Sachen lassen muss, für die man keine Ausbildung hat. Wenn es aber darauf hinausläuft, dass man sich nicht allgemein zu Fragen äußern darf, die Naturwissenschaftliche Gebiete betreffen, wird das schon schwieriger, weil das inzwischen schon jeder tut. In diesem Falle hat das Thema eine zusätzliche Relevanz, da es vor allem auch um Moral an sich geht, die in diesem Falle von Bill Nye rhetorisch verdreht und von den Verantwortlichen Mitarbeitern bei PP immer wieder argumentativ unter Vertuschung der Tatsachen durch den Dreck gezogen wurde - mit Schaum vor dem Mund, was diese Sache nur noch unappetitlicher machte.

      Text wurde zur Kenntnis genommen (vielen Dank übrigens für die Nennung von Kenneth und Dobzhansky, die beiden werde ich mir garantiert näher anschauen! :-D), ansonsten bleibt mir wirklich der Sinn dieses Kommentars verschlossen, da er scheinbar nur auf eine Strohpuppe eindrescht, die der Verfasser "die römisch katholische Kirche" nennt und Dinge einfordert, wie sie allgemein in der genannten Römisch-Katholischen Kirche offiziell angewendet und empfohlen werden.

      Wischen Sie sich also bitte erst mal selbst den Schaum vom Mund und versuchen Sie ihre Kommentare weniger wie Selbstgespräche aussehen zu lassen, die am Thema völlig vorbeizielen und nur aufs Bashing konzentriert sind.

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  2. Sie habens nicht verstanden, so weit so schlecht. Lassen wir mal den von Ihnen so ungeliebten "Maschinenbauingenieur" beiseite (fängt für Sie Wissenschaft wirklich erst bei habilitierten an? Und "Forschung UND Lehre" ist für Sie auch kein Thema?) und konzentrieren uns auf das, was für Sie wesentlich ist.

    Planned Parenthood und der von Ihnen angenommene Skandal um Gewebe.

    Das ist kein Skadal.

    Die Kausa hats noch nicht einmal vor ein ordentliches Gericht geschafft. Und nebenbei, mit Gewebe gehandelt wird in der Bundesrepublik schon seit langem. Mit grossen medizinischem Erfolg. Also was soll diese Höllen-Skandalisierung eines weltweit gebräuchlichen, alltäglichen Vorgangs?

    Vertrauen Sie/sie Ihren eigenen Argumenten gegen Schwangerschaftsabbrüche so wenig, dass Sie so eine Schmierenkampagne des durch und durch zwielichtigen Daleiden aufgreifen müssen?

    Der Kampf gegen Schwangerschaftsabbrüche ist legitim, aber hat die römisch katholische Kirche es wirklich nötig ihre Lehre, dass bei der Verschmelzung von Ei und Samenzelle sofort ein Mensch entsteht, der absolut gesetzt wird, sogar gegen Leben und Gesundheit der Frau die ihn, freiwillig oder gar erzwungen, trägt, so zu verteidigen?
    Sonst nimmt das mit dem Lebensschutz von der Befruchtung bis zum "natürlichen Tod" ja auch nicht ganz so Spitz auf Knopf genau. Lesen Sie's mal nach im Katechismus.
    Und zu guter Letzt, die Kirche und alle "Lebensschützer" könnte sich diesen völlig sinnlosen und zu nichts führenden Kampf sparen, wenn sie endlich anfangen würde, die Ursachen für Schwangerschaftsabbrüche zu bekämpfen. Aber dann könnte man ja nicht mehr auf diesen Märschen für das Leben demonstrieren, was für ein wahnsinnig guter Katholik/Christ man ist, sondern müsste sich im stillen Kämmerlein auf den Hintern setzen und anfangen wirklich FÜR Frauen zu arbeiten. Zum Beispiel in den Betrieben, im Bundestag, in den Parteien in den Sozialverbänden und Gewerkschaften Lobbyarbeit zu leisten, die Frauen wirklich was bringt, dass sie erst gar nicht auf die Idee kommen, dass ein Kind eine Belastung sein könnte, die die Familie in die Armut führt.
    Stattdessen kämpft man GEGEN Frauen (wie es in der Kirche leider Tradition ist), vermplempert man Kraft und Zeit auf Latsch-Demos und bei Kampagnen gegen pro familia und Donum Vitae. Schade.

    PS: Was ein absolutes Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen anrichtet, können Sie aktuell bei www.amnesty.org unter Nicaragua und in den Geschichtsbüchern unter Dekret 770 nachlesen. Oder Sie lesen "Cyankali". Vale!

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    1. Sie haben schon wieder Schaum vor´m Mund...

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  3. Schaum vorm Mund? In obigem Beitrag? Glauben, fühlen Sie das wirklich so? Schade. Ich glaube Sie hätten mit Ihrem Engagement wirklich etwas erreichen können. Vergeblich.

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    1. Seltsam.

      Exakt das Gleiche habe ich bei ihrem Eingangskommentar auch gedacht. :-I

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