Samstag, 24. September 2016

Verwischung von Realität und Satire



[...]Ihre Ratsfraktion [der Linkspartei] hat daher nun in einem Antrag gefordert, alle Arbeitsmittel aus allen Arbeitsbereichen der öffentlichen Verwaltung geschlechterneutral auszudrücken. Dies gelte „insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel („der“) bezeichnete Arbeitsgeräte/-mittel“, heißt es in einer Beschlußvorlage für die Sitzung des Gleichstellungsausschusses am 28. September. Beraten soll die Ratsversammlung über den Antrag dann Mitte Oktober. 

Künftig soll es dann nicht mehr „der Radiergummi“ oder „der Schreibtisch“ heißen, sondern: „der/die ScannerIn, der/die ComputerIn, der/die BleistiftanspitzerIn, der/die KopiererIn, der/die StaubsaugerIn“. Weitere Bezeichnungen sollten bestehenden Doppelformen „kreativ nachgebildet“ werden. So zum Beispiel: „der/die Papierkorb/-körbin, der/die Briefkopf/-köpfin, der/die AbfalleimerIn“.

Im Sinne einer „sozial gerechten und antidiskriminierenden Gesellschaft“ sei es nicht länger hinzunehmen, daß „Nomen, die ein Arbeitsgerät/-mittel bezeichnen, häufig nur mit maskulinen Artikeln gebraucht werden“. Dies verlängere auch „die patriarchalische Gewohnheit, daß menschliche, mechanische oder technologische Arbeitsleistung als überwiegend ‘männlich’ charakterisiert“ würden, warnt die Linksfraktion.
[...]


Herzlichen Glückwunsch, liebe LINKS-Partei! Ein wirklich wunderbarer Scherz, auf den selbst die Junge Freiheit reinfiel, die post scriptum bemerken musste: 

Die Linke im Flensburger Rat teilte auf ihrer Internetseite mit, sie selbst werde gegen den von ihr eingebrachten Antrag stimmen. Die Beschlußvorlage, die sich auch in der offiziellen Dokumentendatenbank des Rats der Stadt Flensburg findet, habe „bestenfalls für Lachanfälle in den 13 Etagen des Rathauses sorgen“ sollen.

Ernsthaft! Ich habe schon so einen Schreck gekriegt - dabei sollte ich es gerade besser wissen.
Auf den Versammlungen in der Hackerspace, bei der ich Mitglied bin, wurde nämlich eine Zeit lang der Antrag gestellt, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Wurde regelmäßig in das Protokoll aufgenommen, aber leider auch regelmäßig unter Beifallgeklatsche "auf das nächste Plenum" verschoben. Nur um dort wieder ins Protokoll aufgenommen und auf die nächste Sitzung verschoben zu werden. Der durchschnittliche Kenner der 90er-Jahre Cartoons dürfte hier leicht eine Anspielung auf "Pinky und der Brain" erkennen. 

Warum also bei der Linkspartei sofort einen Kurzschluss bekommen?
Vielleicht wegen bestimmter Umstände. Paranoide Schnapsideen, die scheinbar die Sowjet-Zeiten überlebt haben, dazu ein Schuss Artikel- und Pronomen-Fetischismus aus Übersee, den man immer öfter antrifft, vor allem im Internet (in dem es definitiv noch Schlimmeres gibt. Wenn Albträume erwünscht, bitte hier klicken ). 

Mein Fehler. Bei so viel Assoziationen kann man Satire leicht als Realität verwechseln. 
Hätte Kardinal Marx damals gesagt, dass das Internet verblöde - Jepp, ich würde ihm vollkommen zustimmen.


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