Freitag, 21. Oktober 2016

Impressionen aus Padua. Teil 5: Museo di Storia della Medicina di Padova


Gleich in der Nähe des ehemaligen Wohnhauses von Galileo Galilei...


...liegt das Museo di Storia della Medicina in Padova, kurz musme.


Gut versteckt vor den regulären Touristen beherbergt es eine höchst empfehlenswerte Multimedia-Ausstellung über die Medizinische Fakultät der Universität Padua.


Die Mischung aus Echtmodell und digitaler Projektion zeigt die Entwicklung des Gebäudes, das ursprünglich ein normales Hospital war.


Über Touchscreens ist es auch möglich, ein wenig in den alten Unterlagen zu blättern...


... die Originale hingegen kann man in den Vitrinen bestaunen.


Für mich persönlich standen hier schon eher Typographie und Seitenlayout der weltberühmten alten italienischen Drucke im Vordergrund.


Ein besonders schönes Exemplar ist dieser original Druck des Anatoms Andreas Vesalius. Man achte besonders auf die Renaissance-Proportionen von Bild, Text und Weißraum. Aber auch die anderen alten Anatomiebücher hatten so ihre Reize, die sie zu regelrechten Kunstwerken machen.






Okay, mit Text vollgestopft und in Kursivschrift wie in dieser französischen Ausgabe ist schon eher Gewohnheitssache. Kam eben eher auf den Inhalt als auf eine übersichtliche Gliederung an.


Eine Besonderheit bildet der "multimediale Anatomiesaal". Wie beim Gebäudemodell oben handelt es sich dabei um eine riesige liegende Menschenfigur, an der mit Hilfe von Projektionen auf die Oberfläche eine "Obduktion" vorgenommen wird. Besonders makaber: Die Person im Seziersaal ist zugleich der Erzähler des Vorgangs. 




Etwas gewöhnungsbedürftiger dürften die original Schaumodelle sein, die damals den Studenten neben den vorgeschriebenen Sezessionen als Lehr- und Lernmittel dienten. Diese stammen nämlich aus echten Leichen und wurden auf eine spezielle Weise präpariert, wie man sie vielleicht von Honoré Fragonard aus Frankreich kennt.



Das plastinierte Hirn, das hier so rumliegt, stammt übrigens von Gunther von Hagens. 
Natürlich aus seiner Plastinatwerkstatt, nicht von ihm selber :3


Natürlich wäre ein Museum über die Geschichte der Medizin nicht komplett, wenn es nicht auch einen Ausblick auf die derzeit neuesten Technologien und Entwicklungen gäbe. Wie diesen 3D-Drucker, der sozusagen "Ersatzteile" oder sogar ganze Prothesen ausdrucken kann. Die Möglichkeiten werden derzeit noch weiter ausprobiert, man darf also gespannt sein, was noch so kommen wird. :-)


Wenn wir anfangs bei Galileo Galilei waren: Eines seiner original Fernrohre waren übrigens auch in der Ausstellung über die allgemeine Geschichte der Universität Padua zu sehen. Ist vielleicht für einige beeindruckend, aber wenn man schon das Museo Galileo in Florenz kennt (wo noch viele von seinen Vorführapparaten ausgestellt sind), ist das nichts wirklich besonderes mehr...


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