Samstag, 1. Oktober 2016

Wunderkutsche...



Man könnte bei diesem Titel vielleicht eher an das Märchen "Klein Zaches, genannt Zinnober" von E.T.A. Hoffmann denken. Bis man die Geschichte hinter der Kutsche im Kapuzinerkloster zu Padua hört, das ich im letzten Artikel vorgestellt habe, in dessen Museum auch das Ereignis bildlich dargestellt ist.

[...] Don Luiggi Callegaro, Pfarrer von Cornegliano bei Padua erzählt: "Am Abend des 13. Juli [1934]kehrte ich mit Pater Leopold [Mandić] von Lourdes zurück. Nach unserer Ankunft im Bahnhof Padua bestiegen wir die Kutsche von August Formentin, der uns mit seinem siebenjährigen Neffen abgeholt hatte.

In der Via di Dante begeneten wir plötzlich einem Tramzug, der aus mehreren Wagen bestand. Der Platz zwischen der Tram und den Säulen am Rande der Straße erlaubte der Kutsche keine Durchfahrt; wir wären zusammengedrückt worden. Die Leute auf der Straße sahen das drohende Unglück voraus und schrien sowohl dem Tramwagenführer wie dem Kutscher zu, doch anzuhalten; aber weder das Tram noch das scheu gewordenen Pferd hielten an, und die Kutsche fuhr wunderbarerweise unversehrt hindurch. Sogleich entstand ein Volksauflauf, so dass wir anhalten mussten. Als die Leute Pater Leopold in der Kutsche bemerkten, sagten sie: 'Es ist nichts passiert, weil Pater Leopold dabei war!' 

Der gute Pater antwortete ganz verwirrt: 'Nein, nein! Wir sind zwei Priester und kehren von Lourdes zurück. Es ist die Madonna gewesen, die uns gerettet hat!' 

Zwei Tage darauf kehrten wir an den Ort zurück und maßen den Raum zwischen den Säulen und den Tramgleisen; dabei wurden wir noch bestärkt in der Überzeugung, dass nur ein Wunder der Gottesmutter uns aus der Großen Gefahr gerettet hatte.

Herr Formentin und sein Neffe mussten Pater Leopold das Ereignis mehrmals wieder erzählen. Jedesmal schloss er tief ergriffen: 'Es ist die Madonna gewesen, die uns gerettet hat! Es ist die Madonna gewesen!'"
Synesius Köpfli OFMCap.: Leopold Mandić -Ein Anwalt der göttlichen Barmherzigkeit: Pater Leopold Mandić von Castelnovo, Kapuziner (1866-1942). Gotthard Media, 1. Auflage 2009.


Wie immer könnte man an dieser Stelle bei der Bemerkung "Wunder" auf die (inzwischen redundante) Erklärung hinweisen, dass alle sogenannten "Wunder" irgendwann einmal rational und damit natürlich erklärbar seien. Wunder sei nur das, wofür man noch keine weitreichende Erklärung hat - wie auch Richard Dawkins in seinem Buch "Der Zauber der Wirklichkeit" darlegt.

Bei einigen Dingen könnte das vielleicht noch so gelten. Schwierig wird es aber wie in genanntem Fall, der an sich außergewöhnlich gut dokumentiert ist und bei dessen genauerer Bestandsaufnahmen man eigentlich nur noch auf Widersprüche stößt, die leider nicht zu lösen sind. Eine Kutsche passt durch einen viel zu engen Spalt, ohne - von Augenzeugen bestätigt - auf die ebenfalls engen, aber breiteren Kolonnaden hinter den Säulen auszuweichen; und zwar ohne dass ein Unfalls passiert, der in beiden Fällen zugetroffen wäre.

Eine zufriedenstellende Erklärung wäre vielleicht wenn man Gott ausschließen würde - und das tun die meisten Empiriker oder Rationalisten an dieser Stelle -, dass sich (machen wir mal einen auf Science-Fiction) vielleicht spontan ein Wurmloch gebildet hätte, das den Raum innerhalb des Raumes so verändert hätte, dass die Kutsche ohne Schaden durch diese enge Stelle passte. Eine andere Erklärung wäre ziemlich schwierig.
Warum es aber rein zufällig - wovon man ebenfalls ausgehen müsste - gerade zu dieser Situation spontan bildete...
Und zwar bei Ausschluss Gottes als intelligenten Urheber dieser Sache.

Jepp, die Sache wird im Gegenteil immer bizarrer statt erklärbarer - und dürfte wahrscheinlich der Grund sein, warum die Bezeichnung "Wunder" nicht einfach so ein Lückenbüßerbegriff ist, für alles was man gerade keine Erklärung hat. Sondern eher dass beschreibt, was über die eigentlich über den Verstand hinausgeht. Aus dem Grunde, weil es die natürlich (und auch experimentell immer) nachvollziehbaren Grenzen sprengt.

Quelle des Comic-Ausschnittes: 
Marco Roveroni: "La vita a fumetti di San Leopoldo". Provincia Veneta dei Frati Minori Cappuccini, 2007.


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