Donnerstag, 20. April 2017

50 Jahre nach Adenauers Tod...



... überrascht es immer noch, woher viele kritische Ansichten, die heute noch existieren, so dahergekrochen kamen.


[... ] Für eine Kommunistin wie Ulrike Meinhof muss die Ära Adenauer selbstredend ein trübes Kapitel gewesen sein. Sie hatte sich zu ihrer besten Zeit als Publizistin - eine gern in bürgerlichen Medien gedruckte, zu Diskussionen ins Staatsfernsehen geladene Linksintellektuelle - nie als illegales KPD-Mitglied geoutet. Hätte sie in diesem Punkt Flagge gezeigt, so wären ihr wichtige Kanäle verschlossen geblieben.

Wer Meinhofs Text aus dem Fischer-Buch nachliest, erkennt aber unschwer die Melodie aus Ostberlin. Neben luzidem Mief & Muff-Spott über das „Altmodische“, „Kleinkarierte“ und „Provinzielle“ des Adenauer-Bonns, neben Klageliedern über zu hohe Mieten und zu geringe soziale Wohltaten läuft alles auf einen Hauptvorwurf raus: Adenauer hatte die Westbindung robust durchgesetzt und unumkehrbar gemacht. Die zu knacken von jeher das vornehmste Ziel aller kommunistischen und kryptokommunistischen Anstrengungen auf westdeutschem Boden war. Zitat Meinhof: „In diesem Land wird gelebt, als gäbe es keine anderen Bündnispartner als die der NATO.“ Klar, wer die alternativen Bündnispartner gewesen wären. [...]



Nicht dass Adenauer perfekt gewesen wäre - seien wir ehrlich, wer ist das schon. Er hat auch ab und an seine Macken gehabt. Doch dass später gerade diejenigen vom "Muff von Tausend Jahren" sprechen, die von einer Regierung finanziert werden, die selbst ehemalige Nationalsozialisten scharenweise aufnahm und GESTAPO-Methoden regelrecht bis zum totalen Misstrauen in der Bevölkerung perfektionierte, dürfte wahrscheinlich der größte Witz daran sein.

Von den nach neutralen Bewertungen regelrechten faschistoiden Methoden ganz zu schweigen, der man sich einfach dadurch entledigte, indem man alles außerhalb der kommunistischen und sozialistischen Ideologien als alternativlos faschistisch bezeichnete.


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