Freitag, 14. April 2017

P. Romuald Bauerreiß OSB: Der Schmerzensmann und die Liturgie

Die imago pietatis, den Schmerzensmann, nennt P. Romuald Bauerreiß (1893-1971), Benediktiner der Abtei St. Bonifaz in München und Kirchenhistoriker, eine seltsame Darstellung, die ihren Ursprung im Orient hat. Wie auch der Herr im Elend, den der Ritter Heinrich auf Schloss Aufenstein am Eingang des Navistales in Südtirol von einer Pilgerfahrt ins Heilige Land als Kopie mit nach Matrei brachte. 1931 veröffentlichte Bauerreiß in München seine Studie: "Pie Jesu" - Das Schmerzensbild und sein Einfluss auf die Mittelalterliche Frömmigkeit. 


Der Herr im Elend, eine besondere Darstellung Jesu als Schmerzensmann, kam zwar erst 1938 nach Wigratzbad. Aber seine Verehrung an der Gebetsstätte macht die Ausführungen Bauerreiß´ auch für uns interessant, zumal der Autor den eucharistischen Bezug dieser Darstellung und die Entwicklung zum Herz-Jesu-Bild beschreibt. Die älteste abendländische Darstellung des auch Erbärmdebild genannten Schmerzensmannes findet sich in einem römischen Missale des 13. Jhdts. Es befindet sich unmittelbar über den Wandlungsworten.

"Das Schmerzensmannmotiv hat vor allem an Orten und Gegenständen Verwendung gefunden, die mit der Eucharistie in engsten Zusammenhang stehen. So begegnet es vor allem auf jenen eigenartigen Vorläufern unserer heutigen Tabernakel, den Sakramentshäuschen." In der weiteren Entwicklung wurde der Schmerzensmann an Sakramentshäuschen, Tabernakeln und auch Monstranzen durch die arma Christi (die Leidenswerkzeuge) tragende Engel ersetzt.

Desweiteren kann das Bildnis mit der Bestattungskultur in Verbindung gebracht werden als mittelalterliches Friedhofsbild. Hier wird der Totenpatron St. Michael ersetzt durch Darstellungen des Christus - Salvator. Die Bezeichnung des Bildnisses als Pie Jesu findet dann auch Bezug in der Totenliturgie. Die sühnende Kraft des Opfers Christi für die Seele der Abgestorbenen führt wieder hin zum eucharistischen Bezug der Darstellung des leidenden Christus.
Im Hochmittelalter vermischte sich der Schmerzensmann mit dem Rex gloriae, dem König der Herrlichkeit. Der Schmerzensmann weist auf seine Wunden und bleibt doch Herrscher und Weltenrichter.

Den Ausführungen über die Imago pietatis folgt bei Bauerreiß dann ein Abschnitt über die Hostienlegenden des Hoch- und Spätmittelalters.und eine Auflistung von "Hostien"-Kirchen, also von Orten, an denen eucharistische Wunder sich ereigneten, mit kurzer Beschreibung. In der Nähe der Hostienfundstellen findet sich häufig ein Bild des Schmerzensmannes, bald dem Urtyp gleichend, bald in erweiterter Auffassung (Salvador mundi, Gregoriusmesse, Grabchristus); so erscheint als Plastik oder Bild Christus als Salvador mundi oder imago pietatis, als Christus sepultus oder in Verbindung mit der Schmerzensmutter. Diesem Bildnis der Pietá ist ein weiterer Abschnitt des Buches von Bauerreiß gewidmet, nach dem sich dann der für unserer Gebetsstätte wieder bedeutsameren Entstehung des Herz-Jesu-Bildes widmet. [...]
Quelle: Wigratzbad Aktuell, Jahrgang 17 Nr. 2, April/Mai/Juni 2017. S. 5-7)


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