Samstag, 27. Mai 2017

"Lutherjahr": Ungefähr hier müsste es klingeln...



... und man sich fragen, ob die Reformation nicht vielleicht einen anderen Grund gehabt hat. Und genau aus diesem Grund gibt es Gott sei Dank die Geschichtsforschung.

[...] Quantität galt mehr als Qualität. "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt." Dieser Werbespruch aus dem 15. Jahrhundert symbolisiert für die Menschen heute das Ablasswesen. 
Als der ultimative Bösewicht der Reformationsgeschichte gilt Johann Tetzel, der Dominikaner und Ablassprediger. Weil ihm ebenjener Spruch zugeschrieben wird, von der Seele, die aus dem Fegefeuer erlöst wird, wenn sie vorher nur genug abgedrückt hat. 
Leider stammt das Zitat nicht von ihm. Es kursierte früher und wurde bereits 1482 von der Pariser Sorbonne, dem damals obersten theologischen Gremium in Frankreich, verboten. Wir wissen auch nicht, wie Tetzel aussah, es gibt kein zeitgenössisches Bild des Predigers. Später wurde er auf Gemälden als fetter und verschlagener Fiesling dargestellt.

In Wirklichkeit war der Dominikaner Tetzel ein gebildeter, gut vernetzter, enorm effektiver und erfahrener Ablasskommissar zu einer Zeit, als der Berufsstand noch keinen schlechten Ruf hatte. Der Historiker Hartmut Kühne hat in akribischen Quellenstudien herausgefunden, dass Tetzel erst im Zusammenhang mit dem ersten Reformationsjubiläum 1617 aus der Vergessenheit geholt wurde und dann als negative Folie für die Lichtgestalt Martin Luther aufgebaut wurde. Danach war kein Halten mehr, der Dominikaner begann seine zweite Karriere als bad guy. Das, was heute an Wissen über Tetzel kursiert, basiert im Wesentlichen auf protestantischer Propaganda. [...]


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