Donnerstag, 19. Oktober 2017

"A Handmaid´s Satire". Oder: Von der medialen Heuchelei der Liberalen.




"In der preisgekrönten Serie "The Handmaid's Tale" werden Frauen als Gebärsklavinnen unterdrückt. Seit Trumps Wahlsieg halten in den USA manche diese Zukunftsvision für erschreckend realistisch. [...]"

Es gibt einfach Artikel, die man sich so wirklich schön auf der Zunge zergehen lassen muss.


Seit dem 4. Oktober läuft im deutschsprachigen Raum die Serie "A Handmaid´s Tale - Der Report der Magd". Darin geht es um eine dystopische Zukunft in Amerika, in dem sich nach einer Reihe von Katastrophen ein christlich-fundamentalistisches-patriarchales Regime etabliert hat, das anscheinend nichts besseres zu tun hat, als Frauen alle Rechte zu nehmen, Homosexualität mit der Todesstrafe zu belegen und Angst gegenüber dem islamistischen Terror zu schüren. Ach so, und da ein Teil der Menschen durch Umweltgifte und Geschlechtskrankheiten unfruchtbar geworden sind, darf sich die männliche Oberschicht Sexsklavinnen halten, die aus noch Gebärfähigen Frauen besteht, um sich irgendwie fortpflanzen zu können.

So schräg, so gut. Wer Serien wie "Game of Thrones", "American Horror Story" und "Boardwalk Empire" kennt, dürfte von einem gewissen Gewaltpotential in Film und Fernsehen, das gut und gerne mal die Grenzen des Erträglichen überschreitet, nicht mehr groß überrascht sein. Überraschend ist bloß, wie gerade Liberale die Serie feiern.

Die Romanvorlage wurde 1985 von Margaret Atwood geschrieben. Entwickelt wurde die Serie vor dem Wahlkampf, als man noch vermutete, dass Hillary Clinton die Wahl eindeutig gewinnen würde. Woraus aber wie bekanntlich nichts wurde, weswegen viele Menschen derzeit weltweit am durchdrehen sind und in einer gewissen Morbidität immer neue Schreckensbilder suchen, mit denen man Donald Trump vergleichen kann. Hitler hat übrigens schon längst ausgedient. Und als harmlosen Dummschwätzer wie vor der Wahl kann man auch nicht mehr abtun - auch wenn er derzeit immer noch eher dazu neigt, dumme Sprüche vom Stapel zu lassen als eine Diktatur aufzubauen.

So verwundert es auch nicht, dass die Autorin zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse mit dem Friedenspreis ausgezeichnet wird. Und exakt das bestätigt, was deutsche Medien hören wollen:

[...] „Es ist nur allzuwahr geworden“, sagt die kanadische Schriftstellerin am Sonntag bei der Entgegennahme des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zu ihrer gruseligen Dystopie. Sie verweist auf die Parlamente in einzelnen US-Bundesstaaten, die die Uhren ins 19. Jahrhundert zurückdrehen wollten, „um Frauen zu kontrollieren“. „Wir wissen nicht mehr genau, wo wir sind“, sagt die 77-jährige Atwood, eine scharfe Kritikerin Trumps und der US-Republikaner, in ihrer Dankesrede in der Paulskirche. „Wir wissen auch nicht mehr genau, wer wir sind.“ Der bisher vermeintliche so sichere Boden schwinde, da Rechtspopulisten Werte wie Freiheit und Demokratie sogar plötzlich auch in Ländern wie den USA und Großbritannien bedrohten.
Auch in Deutschland sei spätestens bei den jüngsten Wahlen „eine verbotene Kammer“ wieder geöffnet worden, wie sie sagt.
[...]

Im Sinne "Wir wissen nicht mehr genau, wer wir sind" hat Atwood im Großen und Ganzen eigentlich recht. Wir befinden uns derzeit in der Krise der Moderne. Alles hat man versucht. Den "Krieg, der jeden Krieg beenden soll" (1914), die "Befreiung der Arbeiter" (1917), die "Befreiung des Volkes" (1933), die "Befreiung der Sexualität" (prä-1968), die "Abschaffung der Hierarchie", die "Abschaffung der Grenzen" usw. Jedes Mal hat man einen Schuldigen gesucht, wenn man nicht mehr mit sich selbst oder die Gesellschaft mit sich fertig geworden ist. Und wenn ihn gefunden hat, lief alles komplett aus dem Ruder. 

Einsicht? Nein, es hat sich einfach ein neues "Problemfeld" geöffnet, dem man sich nun mit seiner "Moralischen Panik" zuwenden kann, um sich ja nicht mit der Ahnung beschäftigen zu müssen, dass man gerade dabei ist, die gleichen Fehler zu machen - und es sich noch schön redet.

Gerade auf der Frankfurter Buchmesse hat man das wunderbar gesehen. 

Seit Jahren kommen Verlage wie Die Junge Freiheit, Manuscriptum und Antaios auf die Buchmesse. Jahrelang ist nichts passiert. Plötzlich seit dem "Sieferle-Skandal" - den die Kritiker des verstorbenen Rolf-Peter Sieferle mit überzogenen Anschuldigungen selbst losgetreten haben - und dem Erfolg der AfD bemerkt man plötzlich, dass "rechte Verlage" (wie der Verlag Antaios, der es wagte, das Buch zu veröffentlichen) sich auf der Buchmesse herumtummeln und dass man sich mit ihnen auseinandersetzen müsse.


1. Tam-Tam machen, dass "rechte Verlage"/"rechtsradikale Verlage"/ vulgo: "Nazi-Verlage" vertreten sind.
2. Stiftungen "gegen Rechtsextremismus" platzieren, die nichts mit der Buchmesse zu tun haben.
3. Ganz genau angeben (sic!), wo sich diese Stände befinden. Natürlich zur "Auseinandersetzung".
4. Wenn irgendwas passiert: Nichts sagen.
6. Wenn es zum Skandal in der Öffentlichkeit kommt: Bedauern.
7. Und vor allem: Wenn es zur Gewalt kommt, dann sind natürlich "die Rechten" schuld. 
9. Sollte es zu "Tumulten" kommen: "Die Rechten" sind schuld durch ihre pure Anwesenheit.
10. Und wichtigster Punkt: Ich habe alles richtig gemacht.


Ganz wichtig ist es, wenn man von einem imaginären Nazi verprügelt wird, obwohl man eigentlich selbst für Krawall sorgen wollte. Okay, es ist wichtig, solange das nicht rauskommt.



Das wäre einmal die eine Seite dieser Heuchelei, die sich zumutet, zum Fahneneid der öffentlich-rechtlichen Gesellschaft zu werden.

Die andere Seite besteht darin, offenkundige Parallelen zu verschweigen. 
Es ist vollkommen einfach, mit dem Konjunktiv Vorwürfe zu konstruieren. Donald Trump KÖNNTE so sexistisch sein, dass er Frauen die Rechte entziehen kann. Sein Vertreter KÖNNTE so fundamental sein, dass er eine Theokratie errichten kann. Ob sie es auch tun, steht nicht zur Debatte. Da macht es auch keinen Unterschied, wenn man beiden auch zutraut, im schlimmsten Falle Sexsklaverei einzuführen. 

Womit man eine deutliche Sache ignoriert: Es gibt sie schon. Und gerade diese Personen sagen hierzu nichts. In der Serie werden Frauen vergewaltigt, um den Nachwuchs der Oberschicht zu sichern.

Was ist mit den Frauen in Asien, die so arm sind, dass sie als Leihmütter für die Wohlhabenden fungieren müssen? Und man sie einfach sitzen lässt, wenn "was schief läuft"?Ach nein, so ein Vergleich wäre ja herzlos gegenüber den unfruchtbaren Ehepaaren und gegenüber den homosexuellen Paaren vor allem homophob - auch wenn diese Meinung selbst von Homosexuellen geäußert wird. 

Das Kind wird zur Ware, die Mutter zum Dienstleister, der nicht weiter an die "Kunden" gebunden ist und sich danach wieder ihren eigenen Geschäften nachkommen muss, ohne dass man sie weiter beachten muss. 

Vor vielen Jahren gab es einen Skandal, weil der ehemalige ehemalige Augsburger Bischof Walter Mixa bei seiner Kritik an der deutschen Familienpolitik den Begriff "Gebärmaschine" verwendet hat - übrigens ein Ausdruck, der auch oft in den deutschen Kommentaren zu "A Handmaid´s Tale" verwendet wird -, um die Reduzierung der Mutter auf das Kinderkriegen zu kritisieren. Die deutschen Medien drehten den Strick natürlich so, dass es den Anschein machte, dass ER Frauen so ansieht. Der Rest fiel einfach unter den Tisch.

Dass zu den damaligen Mitempörten auch Mitglieder der GRÜNEN gehörten, die letztendlich für diese Marschrichtung der Famlienneudifiniton verantwortlich sind, braucht man an dieser Stelle wahrscheinlich nicht mehr anzumerken. Dass diese Politiker dann öffentlich mit dem Argument für Einwanderung stehen, damit der Deutsche* - der sich ja bei so viel Kinderunfreundlichkeit scheinbar nicht mehr so doll vermehren will - an sich wieder Deppen hat, die sich für seine Rentenkasse abschuften ... lassen wir das, so etwas widerlich-oppotunistisches braucht einfach keinen Kommentar mehr. Das ist einfach moderner Kolonismus.

In den USA sieht es auch nach den Skandalen um Planned Parenthood, sowie den links-liberalen Abdeckversuchen (wo auch obig genannte Mrs. Clinton mitmischte) nicht viel besser aus. Inzwischen steht dieser Abtreibungskonzern (und das ist PP im Endeffekt) als nationale humanitäre Organisation da. Mit dem immer noch Geschäfte gemacht werden. 

Und hoppla - Planned Parenthood versteckt sich hinter den popkulturellen Vorwürfen, die mit "A Handmaid´s Tale" gegen deren Kritiker der "Abtreibungsrechte" erhoben werden. Und will die Autorin mit einem eigenen Preis auszeichnen. Wenn das mal nicht überrascht.

Aber bei solchen Themen regt man sich generell gerne auf, egal wie absurd der Grund auch ist.

Man dürfte an dieser Stelle ernsthaft gespannt sein, wie die Geschichte eines Tages diese Ereignisse bewerten wird. Vielleicht wird das Werk von Margaret Atwood eines Tages in die neu entdeckte Gattung der Realsatire eingeordnet werden ...


* Pardon. Es heißt natürlich: Menschen, die hier länger leben. Und diese Forderung stellten natürlich auch andere Parteien.


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