Donnerstag, 26. Oktober 2017

Kirche und Macht. Oder: Warum Frau Florin selbst als Mann kein guter Priester wäre.



Mal ganz zum Anfang: Grundsätzliche Kritik an dem Buch "Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen" wurde bereits von Claudia Sperlich und Peter Winnemöller geäußert. Vor allem Frau Sperlich bringt das ganze Dilemma dieser Diskussion, die sich eher als Monolog entpuppt, auf den Punkt:

[...] Zunächst mal ist es ein radikaler Machtverzicht, Priester zu werden. Bei der Weihe verspricht der Kandidat, lebenslang zu dienen, und unterwirft sich Gott in dem drastischen Zeichen der Prostratio vor aller Augen. Selbstverständlich hat ein Priester Autorität innerhalb der Gemeinde – aber nicht aus eigener Macht, sondern aus Gnade. Je höher er im Rang steigt, desto mehr Menschen dient er. Ja, es gibt Machtstrukturen in der Kirche, weil es notwendig verschiedene Ränge gibt. Aber anders als in einem weltlichen Verein oder einem Konzern wünscht sich kein Mensch, der alle fünf Sinne beisammen hat, an die Spitze zu steigen.

Dann ist Macht an sich eine in dieser Welt leider notwendige Sache, wenn irgendetwas erreicht werden soll. Gerechtigkeit ohne Macht ist nichts wert. (Daß Macht ohne Gerechtigkeit furchtbar ist, steht auf einem anderen Blatt – hier ist die Rede von der Kirche, die dem gerechten Gott gehört.) Frau Florin sagt: „Die Worte „Macht“ und „Kontrolle“ stehen in keinem lehramtlichen Schreiben zum Thema“ – da hat sie Recht, denn es geht nicht wesentlich darum, und sie fährt fort: „gerade deshalb stehen sie im Raum, sobald über Amt, Sakrament und Institution diskutiert wird“ – da hat sie Unrecht, denn es geht der Kirche um Gott, der allein alle Macht hat, und um das Heil aller Menschen, und basta. [...]


Zu dem generell an sich schon bescheuerten Thema "Ich werde eines Tages Priester/Priesterin, weil es so toll ausschaut" und "Weihe als Karrieresprungbrett" habe ich mich bereits geäußert. Diese Ansicht stellt bereits einen geistigen liturgischen Missbrauch dar und entehrt das heilige Priestertum Christi, das auf seine göttliche Person hin ausgerichtet hat und die Sakramente eben NUR DURCH IHN ihre wahre Wirkkraft bekommen. Es handelt sich hier weder um Trostpflaster noch um gemeinschaftliche Placebos, um einen besser fühlen zu lassen.

Wer solche Ansichten vertritt, befindet sich bereits außerhalb des allgemeinen Glaubens - auch wenn es vielleicht in manchen theologischen Seminaren gelehrt wird und der Dozent einem mit Punkteabzug drohen kann. In diesem Falle ist es oberste Pflicht, denjenigen auf diesen Irrtum hinzuweisen und in das Gebet einzuschließen, dass der Herr sich diese Person annehmen möge, sollte ein verweigerndes Verharren festgestellt werden.

Vor allem aber die Betonung auf "Macht" und "Kontrolle" lassen eine weitere Gefahr erblicken:
Dass Glaube kein gegebener Umstand, sondern eine verhandelbare Basis sei. Dabei handelt es sich um den Irrtum des Modernismus, der bereits von Papst Pius X. umfassend beschrieben wurde und sowohl eine Pseudoprofessionaliserung als auch eine Pseudoreform des kirchlichen Glaubens darstellt, deren letzter Schritt die Machtergreifung innerhalb einer Diskussion liegt, um die eigenen subjektiven Positionen abzusichern. Bei einigen Modernisten ging dieser Prozess sogar bis zur kompletten Auflösung des Glaubens.

Inzwischen ist dieser Subjektivismus zum landläufigen Alltag geworden, vor allem durch die vernachlässigte Katechese, der Herabsetzung der Gott zustehenden Verehrung und der Sakramente, der Verharmlosung oder sogar Leugnung des Zustandes der Sünde und eines Barmherzigkeitsbegriffes, der bis zur kompletten Schleifung der Disziplin geht - sogar der eigenen.

Genau diese Punkte sind es, die zum derzeitigen Notstand des Priesternachwuchses führten, nicht etwa der falsch verstandene Umstand, dass man sein Leben "nicht mehr vollkommen ausleben" dürfe, sei es durch fehlenden Geschlechtsverkehr oder die Unterordnung unter eine Autorität, die in den Augen der Welt jegliche Legitimität verloren hat, da die Welt nichts von Sünde, nichts von Schuld wissen will - unter Umständen sind ist ja Schuld verhandelbar und jeder sollte damit selbst zurechtkommen. Und in deren eigenem Bild Gott nur etwas zu suchen hat, solange er brav pariert und man Seiner habhaft werden kann für diverse moralistische Gesellschaftsappelle.

Es war genau diese Verwirrung, die die Priesterkandidaten kurz nach den "Konzilsreformen" (die in Wirklichkeit von vielen Theologen und Seminarleitern nach eigenen Gusto ausgelegt wurden) aus den Seminaren getrieben hat.

Wenn es keine Sünde gibt, wozu gibt es Gnade? Wenn es keine Gnade gibt, wozu dann die Kirche? Wozu Gott, wenn doch der Mensch und die menschliche Gesellschaft alleine zurechtkommen? Und wozu eine Wahrheit, wenn alles relativ und untereinander verhandelbar ist?

Dass es eine Sünde, aber auch Gnade; dass es Gott und sein Wirken gibt, wird zugunsten einer an die Welt und die Launen der Menschen angepassten Kirche regelmäßig fallen gelassen und unter den Schemel gestellt, weil man um gesamtgesellschaftlichen Einfluss und Mitsprache fürchtet - also um gesellschaftliche Macht.

Paradox ist es hingegen, dass gerade in den "traditionalistischen Gemeinschaften" ein regelrechter Ansturm sowohl von Gläubigen als auch den aus den Gläubigen hervorgehenden Priestern herrscht. Nicht nur, dass die obig angesprochenen Heilsmysterien innerhalb des göttlichen Gandenlebens direkt angesprochen werden und der Gottesdienst in der für viele irritierenden und eher als Abschreckend empfundenen Kirchensprache Latein gehalten wird - auch weltlich ist diesen Gruppen wenig Macht und Einfluss beschieden.

Die Petrusbruderschaft wird zwar vom Heiligen Stuhl anerkannt, trotzdem wird ihr gerade in Deutschland auch von Kirchenoberen regelmäßig ein Stock zwischen die Beine geworfen. Von den Kirchensteuergeldern erhalten sie praktisch gar nichts. Trotzdem bringen sie regelmäßig junge Priester hervor, um ihre Gemeinden am Leben zu halten.

Die Piusbruderschaft wird (bisher) kirchlich nicht vollständig anerkannt, auch seit der "Williamson-Affäre" haben sie in der Gesellschaft einen dubios-abschreckenden Ruf. Trotzdem kommen Gläubige und blühen auch dort Berufungen.

Warum? Weil es um das Leben mit und in Gott geht. So sehr man das auch will, man kann sich bei Gott nicht einschmeicheln mit Ansehen und Prestige - und man kann sich seinen Gott nicht zurechtbiegen, nur weil die Gesellschaft es so haben will oder durch bestimmte Begriffe verwirrt ist. Und gerade das bekennen diese Menschen aus und strahlen es auch nach außen hin aus.

Jeder Mensch hat eine Berufung, in der er sein Leben in Gott leben kann - und dieses Leben ist nur ein Vorgeschmack auf das ewige Leben, wenn wir für immer in der seligen Anschau bei ihm leben dürfen. Nicht das ewige herumlamentieren, wie toll und wunderbar doch alles wäre wenn ... was auch immer.

 Das ist das, was diese Neupriester verstanden haben. Es geht weder um irgendwelche Vorrechte noch um bestimmte Klauseln, die man nach Lust und Laune drehen kann, sondern um die reale Gegenwart des Herrn, der WIR uns anzupassen haben.

Und das scheint Frau Florin trotz ihres hohen Bildungsgrades nicht verstanden zu haben.





Kommentare:

  1. Da könnte man auch all jene Neupriester geistlicher Gemeinschaften hinzuzählen, welche die heilige Messe in der ordentlichen Form des römischen Ritus feiern. Namentlich seien hier die Gemeinschaft Emmanuel und die Legionäre Christi genannt. Auch diese sind "gut und treu katholisch". Sieht man u.a. daran, dass die Emmanuels den neuen Bischof von Innsbruck stellen. Die LC haben auch dieses Jahr wieder über 30 Weihekandidaten, die im Dezember in Rom zu Priestern Jesu Christi geweiht werden.

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    1. Stimmt, das habe ich mir auch überlegt, wollte aber dann eher bei den "Extrembeispielen" bleiben aus dem "Unter solchen Umständen macht doch da sowieso niemand ..."-WUMMS[Seminarstürm]-Bereich.

      Aber danke für den Hinweis! :-D

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